Jazztime: 100 Jahre Miles im Zeitraffer

Miles Davis wäre am 26. Mai 100 Jahre alt geworden. Ein Streifzug durch fünf Jahrzehnte Musikgeschichte, die von einer einzigen Konstante geprägt waren: der unerbittlichen Flucht vor dem Stillstand und dem Bruch mit der eigenen Tradition.

Miles Davis
Miles Davis (Bild: Oliver Nurock)

Es gibt wenige Musiker, bei denen das Prädikat "Jahrhundertgenie" keine Übertreibung darstellt. Miles Davis ist einer von ihnen. Anlässlich seines 100. Geburtstags wagen wir, die fast fünfzigjährige Karriere des visionären Trompeters und Bandleaders in einer kompakten, chronologischen Stunde nachzuzeichnen. Wir folgen einer künstlerischen Evolution, die von ständigen Häutungen, radikalen Brüchen und dem unbedingten Willen zur Innovation geprägt war.

Die Reise beginnt in den späten 1940er-Jahren, als sich der junge Davis aus dem übermächtigen Schatten des Bebop-Giganten Charlie Parker befreite, um mit kammermusikalischen Konzepten das Zeitalter des Cool Jazz einzuläuten. Der Weg führt weiter über den energetischen Hard Bop der Fünfzigerjahre hin zu jenem historischen Moment im Jahr 1959, als Davis mit dem Album "Kind of Blue" die Jazzwelt von starren Akkordketten befreite und dem Genre eine neue, meditative und bis heute unerreichte Melancholie schenkte.

Statt sich auf den Lorbeeren des Erfolgs auszuruhen, trieb Davis die Entwicklung voran. Über die abstrakten, fast telepathischen Interaktionen seines berühmten Quintetts der Sechzigerjahre stieß er das Tor zur Fusion-Ära auf. Er elektrisierte den Jazz, konfrontierte ihn mit der Dynamik der Rockmusik und scheute in den Achtzigern selbst vor synthetischen Pop-Experimenten nicht zurück. Bis zu seinem hochemotionalen Abschiedskonzert in Montreux im Sommer 1991 blieb Davis ein Suchender. Das Porträt eines Künstlers, der den Jazz nicht nur prägte, sondern ihn zeitlebens immer wieder neu erfand.

Maaru Will

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