Jazztime: Nils Petter Molvær als leiser Wandlungsreisender

Dialoge in Echtzeit: Der norwegische Trompeten-Pionier Nils Petter Molvær bündelt auf seinem neuen Album "Be Quiet" neun intime Studio-Begegnungen quer über den Globus.

Nils Petter Molvær (Bild: Jørgen Nordby)
Nils Petter Molvær (Bild: Jørgen Nordby)

Nils Petter Molvær prägt seit seinem Meilenstein "Khmer" von 1997 den europäischen Crossover-Jazz. Auf seinem neuen Werk "Be Quiet" setzt der Musiker auf unmittelbaren Austausch. Er besuchte Musikerinnen und Musiker in Städten wie Bangkok, London, Berlin und Rom, um vor Ort ohne lange Vorbereitung auf deren jeweilige Klangwelten zu reagieren. Begleitet wird das Projekt von einem Dokumentarfilm des Regisseurs Per Manning, der diese Begegnungen im Bild festhält.

Die Stücke bewegen sich zwischen Ambient, Electronica und Improvisation. Molværs charakteristische, oft wie ein Flüstern klingende Trompete trifft dabei auf völlig unterschiedliche Partner, von Pop-Größen wie Imogen Heap und Led-Zeppelin-Bassist John Paul Jones am Klavier bis hin zu experimentellen Texturen des Elektronikers Alva Noto. Eine traurige Besonderheit markiert das Stück "Copenhagen": Die darin zu hörende dänische Perkussionslegende Marilyn Mazur verstarb im vergangenen Dezember – das Album ist im Nachhinein ihrem Andenken gewidmet.

"Be Quiet" von Nils Petter Molvær ist erschienen am 10. Juli 2026 bei Edition Records.

Außerdem in dieser Sendung:

  • Brian Auger’s Oblivion Express: Das schwere Fusion-Debüt der Jazzrock-Schlüsselfigur von 1971 als remasterte Vinyl-Neupressung ("Oblivion Express", Soul Bank/Strut Records)
  • Fathers: Das spontan in Los Angeles formierte All-Star-Kollektiv um Nate Smith und Kenny Beats liefert ein kompaktes Studio-Testwerk zwischen Beat-Produktion und Jazz-Improvisation ("Fathers", Blue Note)
  • Mick Goodrick & Fred Hersch: Ein 38 Jahre im Archiv vergessenes, intimes Studio-Dokument einer Bostoner Duo-Session aus dem Jahr 1988 feiert seine späte Premiere ("Feebles, Fables & Ferns", ECM Records)
  • Stella Cole: Mit großen Standards traut sich die 27-jährige US-Sängerin aus ihren Social-Media-Kanälen auf die Bühne eines edlen Manhattener Clubs ("Live at Café Carlyle", Decca Records)
  • Olympia Vitalis: Die Londoner Sängerin empfiehlt sich mit einer eigenwilligen Produktion zwischen Soul, Jazz und Experiment als Neuentdeckung ("Lady Luck", Platoon)
  • Christian Prommer: Der Münchner DJ und Produzent verbindet auf seinem neuen Studioalbum analoge Club-Grooves mit der rhythmischen Freiheit des Jazz ("Rhythmic Nocturne", Compost Records)

Maaru Will