Jazztime: Elsa Johanna Mohr & Flávio Nunes – Ein Sommer auf Portugiesisch

Die Sängerin aus Düsseldorf und der Gitarrist aus São Paulo legen mit "Em Julho" ihr zweites gemeinsames Album vor – aufgenommen in Bonn, gesungen (fast) nur auf Portugiesisch.

Maaru Will
Maaru Will (Bild: Thierry Cornely/BRF)

Angefangen hat es mit einem Schulaustausch. Mit 16 verbringt Elsa Johanna Mohr ein Jahr in Foz do Iguaçu, danach lässt sie die Sprache nicht mehr los: Studium der portugiesischen und brasilianischen Literaturwissenschaft in München und Montpellier, eine Abschlussarbeit über den Komponisten Dorival Caymmi, ein Praktikum beim Goethe-Institut in Salvador. Parallel bildet sie sich als Jazzsängerin aus, in Osnabrück unter anderem bei Simin Tander. Seit 2018 lebt sie in Köln, singt im Trio Luah, das 2023 den Deutschen Jazzpreis gewinnt, und komponiert für das Quartett Antigua auf fünf Sprachen. Eine Tageszeitung schreibt, sie singe, "als sei sie am Zuckerhut aufgewachsen" – ein Kompliment, das man erst einordnen kann, wenn man weiß, wie viel Arbeit hinter dieser scheinbaren Selbstverständlichkeit steckt.

Ihren passenden Gitarristen findet sie in Köln: Flávio Nunes, aufgewachsen in São Paulo, seit einigen Jahren in Deutschland, ausgestattet mit einer siebensaitigen Gitarre und einem Gespür für Zurückhaltung, das Mohr in Interviews immer wieder hervorhebt. Nach dem Debüt "Passadinha" (2023) folgt nun "Em Julho", im August 2025 in Bonn aufgenommen: zwölf Stücke, die brasilianische Standards wie "Corcovado" und "Tico-Tico no Fubá" neben Mohrs eigenen, auf Portugiesisch geschriebenen Songs versammeln – darunter der Titeltrack sowie "Beijo da Lua" und "Jaguar". Reduziert auf Stimme, Gitarre und ein wenig Rhythmus, vereint dieses Album Virtuosität, Zeitlosigkeit und sommerliche Leichtigkeit mit jenem Spritz Melancholie, der aus guten Songs herausragende Musik macht.

"Em Julho" von Elsa Johanna Mohr und Flávio Nunes ist erschienen am 17. Juli 2026 bei Double Moon Records.

Außerdem in dieser Sendung:

  • Chad Smith: Der Edel-Saxofonist holt mit der Sinfonia of London den vergessenen Sax-Pionier Rudy Wiedoeft aus den 1920ern zurück ins Licht ("Saxophobia", Chandos Records)
  • De-Phazz: Pit Baumgartner öffnet das MPS-Archiv und legt Hand an – aber behutsam ("Belooped", MPS)
  • Affinity Trio: Vier Jahre wöchentliche Residenz in Milwaukee, jetzt zum zweiten Mal auf Platte – Trompete, Piano, Bass, kein Schlagzeug, pure Harmonie ("New Outlook", Origin Records)
  • Orquesta Akokán: Die kubanisch-New Yorker Bigband bringt auf ihrem vierten Album Mambo und Latin Jazz mit neuen Stimmen zusammen ("América!", Daptone Records)
  • Charles Lloyd: Unveröffentlichte Aufnahmen der 88-jährigen Saxofon- und Flötenlegende von 2009 – Hommage an seinen 2024 verstorbenen Weggefährten Zakir Hussain ("Sangam & Friends", Blue Note)
  • Maja Jaku: Die Wiener Sängerin nimmt ihr fünftes Album in New York mit Johnathan Blake auf ("Blessed & Bewitched", Origin Records)
  • Joey Alexander: Das einstige Wunderkind aus Indonesien meldet sich mit 23 mit seinem achten Album zurück ("Celestial Keeper", Mack Avenue Records)
  • Nachruf auf den Tenorsaxofonisten Plas Johnson, der als Solist des "Pink Panther Theme" unsterblich wurde

Maaru Will