Jazztime: Mike Clark – Zeitloser Post-Bop im Geiste des Buddhismus

US-Schlagzeug-Legende Mike Clark feiert mit seinem hochkarätig besetzten All-Star-Quintett und dem Album "Kuon Ganjo" die zeitlose, frei fließende Kraft der Improvisation abseits aller Genregrenzen.

Mike Clark (Bild: Wide Hive Records)
Mike Clark (Bild: Wide Hive Records)

Er gilt als einer der einflussreichsten Rhythmusgeber der Fusion-Geschichte, doch im Herzen ist er immer ein Jazz-Purist geblieben: Mike Clark. Kurz vor seinem 80. Geburtstag am 3. Oktober liefert der legendäre "Headhunters"-Drummer mit "Kuon Ganjo (Time Without Beginning)" sein drittes und vielleicht ambitioniertestes Werk für das kalifornische Label Wide Hive Records ab. Clark beschwört darauf die rohe, dringliche Energie des klassischen East-Coast-Uptempo-Jazz mit einer handverlesenen All-Star-Besetzung: Eddie Henderson an der Trompete, Tenorsaxofonist Craig Handy, Bassist Essiet Okon Essiet und die Tastenvirtuosin Patrice Rushen an Flügel und Rhodes-Piano.

Wie schon der Vorgänger trägt auch dieses Album einen Titel aus dem Nichiren-Buddhismus: "Kuon Ganjo" beschreibt einen Zustand der Erleuchtung, der keinen Anfang und kein Ende kennt. Diese fundamentale Realität der Zeitlosigkeit wird hier zur Metapher für das Zusammenspiel der Band. Das Album lebt von der unnachahmlichen Kommunikation dieser Veteranen, die bei aller Präzision ganz viel feine Atmosphäre schafft. Die Palette reicht von einer treibenden Post-Bop-Version des Standards "Softly As In Morning Sunrise" spannt den Bogen von Clarks eigenen, komplexen Kompositionen bis hin zu radikal frischen Re-Imaginationen großer Klassiker. Ob ein brennendes "East Broadway Rundown" von Sonny Rollins, eine verspielte Interpretation von Herbie Hancocks "Toys" oder Clarks gänzlich frei fließendes, buddhistisch inspiriertes Titelstück – hier wird Jazz nicht als historisches Artefakt verwaltet, sondern als lebendige, pulsierende Momentaufnahme zelebriert. Anstatt sich auf alten Lorbeeren auszuruhen, wirft sich diese Veteranen-Runde in ein hochgradig interaktives, unvorhersehbares Zusammenspiel. Das Quintett bricht mit gewohnten Tempi, um sensible, offene Räume zu kreieren.

"Kuon Ganjo" von Mike Clark ist erschienen am 7. August 2026 bei Wide Hive Records.

Außerdem in dieser Sendung:

  • Animal Invisível: Der brasilianische Gitarrist Guri Assis Brasil mit einemhochenergetischen Crossover aus Psychedelic Rock und Jazz ("Animal Invisível", Nublu Records)
  • Dinner Party: Das US-All-Star-Kollektiv um Robert Glasper und Kamasi Washington lässt die Genregrenzen in dichten, tiefenentspannten Grooves verdampfen ("Whatchu Bringing?", Sounds of Crenshaw)
  • David Moss: Zum 40. Jubiläum frisch remastered – als der New Yorker Avantgarde-Pionier zusammen mit Fred Frith, Arto Lindsay und John Zorn seine Stimmakrobatik mit tanzbarem Noise-Groove vermählte ("Full House" / "Dense Band", Yatak Records)
  • Joyce & Tutty Moreno: Die 78-jährige brasilianische Ikone verwandelt mit Produzent Adrian Younge die Trauer um João Donato mittels einer Fusion-Katharsis ("Joyce & Tutty Moreno – Jazz Is Dead 27", Jazz Is Dead)
  • Norma Winstone: Die fast 85-jährige Grande Dame des britischen Jazz begeistert in einer BBC-Live-Session an der Seite ihrer beiden Söhne ("Gilles Peterson Presents Norma Winstone Live at Maida Vale", BBC)
  • Diederik Wissels & Adinda Hertmans: Ein reduzierter, intimer Generationen-Dialog, bei dem die frisch preisgekrönte Nachwuchssängerin auf ihren ehemaligen Brüsseler Professor am Klavier trifft ("Maybe Tomorrow", Pasarela Productions)
  • Zum 101. Geburtstag der Klavier-Legende Oscar Peterson

Maaru Will