Jazztime: Caroll Vanwelden und Shakespeares Unsterblichkeit

Die aus Gent stammende belgische Sängerin, Pianistin und Komponistin Caroll Vanwelden bricht auf ihrem achten Studioalbum mit den Gesetzmäßigkeiten des Jazzquartetts. "Shakespeare Revisited" verwandelt jahrhundertealte Sonette in zeitgenössische Lieder - intim und zugleich von bestechender Dynamik.

Caroll Vanwelden (Bild: Bernd Zimmermann)
Caroll Vanwelden (Bild: Bernd Zimmermann)

Caroll Vanwelden pflegt seit ihrer preisgekrönten Trilogie aus den 2010er-Jahren eine tiefe, fast symbiotische Verbindung zu den Versen des großen Dramatikers. Auf ihrem neuen Werk entfaltet sie allerdings keine elisabethanische Sprache. Sie macht die zeitlosen Themen wie Begehren, Eifersucht und Sterblichkeit im Hier und Jetzt fühlbar. Im Trio mit Keyboarder Dominique Vantomme und dem Cellisten Jean-François Assy webt sie ein cineastisches Netz aus Cello-Linien und subtiler Elektronik, in dem jedes Wort und besonders auch die Stille großes Gewicht bekommen. Dass dieses Konzept eine spürbare Unmittelbarkeit besitzt, liegt auch an seiner unkaschierten Entstehung: Rund die Hälfte der dreizehn Titel beruht auf Live-Mitschnitten ihres ersten gemeinsamen Konzerts im rheinischen Neuss.

"Shakespeare Revisited" von Caroll Vanwelden ist erschienen am 11. September bei Caroll Vanwelden.

Außerdem in dieser Sendung

  • Tom van Dyck Quartet: Der Antwerpener Altsaxophonist präsentiert Dialoge mit der flämischen Vater-Sohn-Achse Piet und Milan Verbist - ganz ohne Worte ("Who Needs Words?", Different Records)
  • Peter Gall: Der Gewinner des Deutschen Jazzpreises für das beste Album 2025 veredeltein nacktes Drum-Album mit analogen Vintage-Synthesizern ("Drum Seeds", Compost Records)
  • Maik Krahl: Der Bautzener Trompeter und Bandleader besticht bei seiner Meditation über Wachstum und Resilienz mit warmem Ton und emotionaler Zurückhaltung ("Rain, Flowers and New Beginnings", Challenge Records)

Maaru Will