Sein Name ist der Theaterobsession seines Vaters geschuldet, dem einflussreichen belgischen Regisseur Dirk Claeys, einem glühenden Verehrer von William Shakespeare und von Größen des frühen Films. 1998 hat er ihm den Namen Orson Dwight Othello Claeys in die Geburtsurkunde diktiert – eine Hommage an Orson Welles und die elisabethanische Tragödie. Und für den Sohn eine bildungsbürgerliche Bürde? Orson Claeys nimmt die väterliche Schwärmerei mit Humor und nutzt sie für eine Spurensuche im Jazz.
Die handwerkliche Parallele zu seinen Kompositionen findet der Musiker ohnehin an Orten, die abseits der Bühne liegen: im Boxring und auf dem Skateboard. Er überträgt den Fokus, die Zähigkeit und die strikte Disziplin des Sports auf sein Klavierspiel. Anstatt sich an Konventionen zu klammern, verwebt er auf seinem Debütwerk modernen Jazz mit den rhythmischen Codes der Hip-Hop-Szene und der urbanen Straßenkultur. Das macht er mit einer Quartettbesetzung, bei der der Luxemburger Trompeter Daniel Migliosi den zentralen Gegenpart zum Klavier übernimmt, angetrieben von Toon Rumen am Bass und Gert-Jan Dreessen am Schlagzeug. "Othello" gewinnt seine Kraft aus einer präzisen rhythmischen Reibung, bei der die Energie von Street Culture und Kampfsport in die akustische Welt des Jazz hineinfließt. Orson Claeys hat ein bemerkenswert eigenständiges Debüt eingespielt, das seinen großen Namen im Ausweis unverkrampft und mit spielerischer Eleganz pariert.
"Othello" von Orson Claeys ist erschienen am 9. Oktober 2026 bei Sdban Ultra.
Außerdem in dieser Sendung:
Echoes of Zoo: Brüsseler Psych-Jazz über die Koordinationsfähigkeit von Tierkollektiven als Modell für menschliches Handeln ("Collective Intelligence", Rebel Up Records / Zephyrus Records)
Jonah Parzen-Johnson & Lau Nau: Freie Live-Improvisationen für Baritonsaxofon und modularen Synthesizer ("Live in Italy", We Jazz Records)
Les Chroniques de l’Inutile: Unkonventionelle Formen und abrupte Wendungen des Brüsseler Septetts zum fünfzehnjährigen Bestehen ("Hapax", Igloo Records)
Branford Marsalis Quartet & Dianne Reeves: Elegante Vokal-Hommage zum 100. Geburtstag von John Coltrane ("Dedicated To You", Blue Note)
Linda Sikhakhane: Spirituell-meditativer Jazz des südafrikanischen Tenorsaxofonisten im Geiste der Coltrane-Schule ("L I N D A", Blue Note Africa)
Kiefer: Schwebende Traumlandschaften aus Jazzharmonik und der modernen Beat-Kultur von Los Angeles ("Memory Bomb", Blue Note)
Nina Simone Remixed: Der mächtige Gesang der Hohepriesterin des Soul-Jazz in schillernden Club-Mixen ("Verve Remixed: Nina Simone", Verve Records)
"Future Sounds Of Jazz Vol. 16": Die neue Ausgabe der legendären, von Michael Reinboth und Michael Rütten zusammengestellten Werkschau elektronischer Musik zwischen Electronica, House und Ambient (Compost Records)
Maaru Will