Klassikzeit: Belgien und die Musik (Teil 1: die franko-flämische Schule)

In drei Teilen stellen wir die Musik Belgiens vor. Teil 1 ist der franko-flämischen Schule gewidmet mit Komponisten wie Guillaume Dufay, Johannes Ockeghem, Josquin Desprez und Roland de Lassus.

Orchester (Illustrationsbild: © Bildagentur PantherMedia / stokkete)

Illustrationsbild: © Bildagentur PantherMedia / stokkete

Die verschollene Totenklage auf Karl den Großen (815) des Abtes von St. Truiden dürfte das erste Manuskript auf heute belgischem Boden gewesen sein. Musik in Klöstern war danach von herausragender Bedeutung, so etwa die Choralschule von St. Lambert in Lüttich.

Hymnen und Offizien entstanden in den Klöstern und sind bedeutende Beispiele der geistlichen Musik, daneben gab es aber auch, wie im Norden Frankreichs die weltliche Musik der Trouvères mit ihren Chansons.

Ab dem späten 14. Jahrhundert darf man von der franko-flämischen Schule sprechen: Johannes Ciconia (1335 – 1412), Guillaume Dufay (1400 – 1474) , Johannes Ockeghem (1420 – 1495), Josquin des Prés (1445 – 1521) und Roland de Lassus (1531 – 1594) waren die herausragenden Vertreter. Sie schufen teils hochkomplexe Werke, wie etwa Johannes Ockeghem mit seinem 36-stimmigen Kanon „Deo Gratias“.

Viele Reisen führten die Komponisten nach Frankreich, Süddeutschland und vor allem nach Italien, so dass die franko-flämische Schule bald zum allgemeinen Vorbild wurde. Doch gegen Ende des 16. Jahrhunderts fand die Vorherrschaft der franko-flämischen Schule ihr Ende, da die Strukturen der Musik als zu kompliziert angesehen wurden. Es begann die Suche nach einfacheren Melodien, die dann zur Geburtsstunde der Oper mit Claudio Monteverdi führte.

Sanctus aus „Messe de Notre Dame“
(G.DeMachaut)
Pro Musica Antiqua
Ltg. Safford Cape
DGG

Doctorum principem / Melodia suavissima / Vir mitis
(J.Cinconia)
Orlando Consort
ARCHIV

Kyrie aus „Mass for St. Anthony of Padua“
(G.DuFay)
Pomerium
Ltg. Alexander Blachly
ARCHIV

Bon jour, bon mois, bon an aus „Calendar“
(G.DuFay)
Pomerium
Ltg. Alexander Blachly
ARCHIV

Amours mercy
(G.Binchois)
Ensemble Gilles Binchois
Ltg. Dominqiue Vellard
VIRGIN

Deo gratias – 36stimmiger Kanon
(J.Ockeghem)
Huelgas Ensemble
Ltg. Paul Van Nevel
SONY

Qui habitait (Psalm 90) – 24stimmige Motette
(J.Desprez)
Huelgas Ensemble
Ltg. Paul Van Nevel
SONY

Adieu mes amours
(J.Desprez)
Piffaro
DGG

Magnificat „Praeter rerum seriem“
(O.DeLassus)
The King‘s Singers
EMI

Estia curvafia pulices aus „Zwei lateinische Madrigale“
(O.DiLasso)
Alsfelder Vokalensemble
Ltg. Wolfgang Helbich
TELDEC

Hans Reul

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