Klassikzeit: Musik aus Belgien (Teil 3: Das 19. und 20. Jahrhundert)

In drei Teilen stellen wir die Musik Belgiens vor. Im dritten Teil spielt die belgische Violinschule mit Henri Vieuxtemps und Eugène Ysaÿe die wichtigste Rolle, aber auch die nachfolgenden Komponisten wie Guillaume Lekeu, Joseph Jongen und die Musik des 20. und 21. Jahrhunderts.

Violine (Illustrationsbild: © Bildagentur PantherMedia / Frank Fischer)

Illustrationsbild: © Bildagentur PantherMedia / Frank Fischer

Eleganz und voller Ton zeichnen die sogenannte französisch-belgische Violinschule aus, für deren Entwicklung unter anderem Musiker wie Henri Vieuxtemps oder Eugène Ysaÿe von Bedeutung waren.

Für den Sohn eines Geigenbauers war der Lebensweg fast schon vorbestimmt: Henri Vieuxtemps (1820 – 1881). Vieuxtemps wurde in Verviers geboren. Mit sechs Jahren gab er sein erstes Konzert, bald wurde er zu einem internationalen Star: Seine Karriere führte ihn durch ganz Europa und selbst in die USA. Die meisten seiner Kompositionen sind der Violine gewidmet.

In der Nachfolge Vieuxtemps steht der in Lüttich geborene Eugène Ysaÿe (1858 – 1931). Vieuxtemps war auch Ysayes Lehrer. Ab 1881 begann die Internationale Solistenkarriere Vieuxtemps‘. Viele Komponisten widmeten ihm Werke: Franck, Debussy, Saint Saëns, Elgar oder Fauré. Von 1886 bis 1898 war Ysaÿe Professur am Brüsseler Konservatorium. Als Berater und Lehrer von Königin Elisabeth legte er den Grundstein für den Concours Reine Elisabeth. In seinen Kompositionen steht die Violine im Zentrum: acht Violinkonzerte, Sinfonische Gedichte, Sonaten, sechs Solosonaten.

Peter Benoit (1834 – 1901) stammte aus Harelbeke, wirkte in Antwerpen und Paris. Er war der erste Direktor des Konservatoriums Antwerpen. Ihm lag eine gewisse Volksnähe am Herzen. Davon zeugen Oratorien wie „die Schelde“ oder eine „Rubens“ gewidmete Kantate. Es sind sehr beschreibende, jedem zugängliche Werke.

Guillaume Lekeu (1870 – 1894) wurde nur 24 Jahre alt. Der aus Heusy stammende Lekeu starb mit nur 24 Jahren an den Folgen eines Typhus-Fiebers, das wohl durch den Genuss dieses Sorbets ausgelöst wurde. Trotz des frühen Todes hinterließ er ein faszinierendes Gesamtwerk. Was hätte man von diesem großen Talent noch alles erwarten können? Das Oeuvre von Guillaume Lekeu umfasst Solowerke, Kammermusik, Chor- und Orchesterwerke.

Weitere bedeutende Komponisten sind Adolphe Biarent (1871 – 1916), der im Stile von Franck und Berlioz Orchesterwerke verfasste, die oftmals regionale Themen aufgreifen („Rhapsodie Wallone“) und Joseph Jongen (1873 – 1953), der als Pädagoge, Organist und Komponist wirkte. Sein bekanntestes Werke ist die Symphonie Concertante für Orgel und Orchester.

Aus Malmedy stammte Henri Pousseur (1929 – 2009). Neben Stockhausen, Berio und Boulez darf Pousseur als einer wichtigsten Komponisten der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts angesehen werden. Wie seine Kollegen kreierte er neue Klangwelten, die den Grundstein für weitergehende Experimente legten: Aleatorik, Elektronische Musik, Serielle Musik waren neben seiner tiefen Liebe zu Schumann oder Schubert die von ihm verwendeten Mittel. Pousseur setzte auch als Pädagoge Maßstäbe. So prägte er als Direktor des Lütticher Konservatoriums mit seinen Ideen eine ganze Studierendengeneration. Eine seiner ersten beruflichen Anstellungen hatte Henri Pousseur als Musiklehrer am Athenäum Eupen.

Zu den Wegbegleitern und Nachfolgern Pousseurs zählen Philippe Boesmans, Pierre Bartholomée, Bernard Foccroule, Claude Ledoux, Michel Fourgon, Benoit Mernier. Weitere wichtige belgische Komponisten unserer Zeit sind Kris Defoort oder Anneliese Van Parijs.

III.Rondo: Allegretto aus dem Konzert für Violine und Orchester Nr. 3 Op. 25 in A-Dur
(H.Vieuxtemps)
Nikita Boriso-Glebsky, Violine
Orchestre Philharmonique Royal de Liège
Ltg. Patrick Davin
FUGA LIBERA

III. Fantastische Jacht aus „Symphonisches Gedicht“ für Klavier und Orcherster
(P.Benoit)
Luc Devos, Klavier
BRTN-Filharmonisch Orkest
Ltg. Silveer Van den Broeck
EDF

Sonate Nr. 3 in D-Moll Op.27 Nr. 3 „Ballade“
(E.Ysaÿe)
Frank Peter Zimmermann, Violine
EMI CLASSICS

Adagio pour quatuor d‘Orchestre
(G.Lekeu)
Orchestre Philharmonique de Liège
Ltg. Pierre Bartholomée
CYPRES

Toccata (moto perpetuo): Allegro moderato aus der Symphonie concertante für Orgel und Orchester Op. 81
(J.Jongen)
Olivier Latry an der Orgel Schyven de la Salle Philharmonique de Liège
Orchestre Philharmonique de Liège
Ltg.Pascal Rophé
CYPRES

Couleurs croisées
(H.Pousseur)
Orchestre Philharmonique de Liège
Ltg. Pierre Bartholomée
CYPRES

Hans Reul

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