Klassikzeit: Sergeï Rachmaninow – der letzte große Romantiker

Leidenschaftlich, melancholisch bis sentimental – so wird die Musik Sergeï Rachmaninows beschrieben. Ein Komponist, der ein wenig aus der Zeit gefallen ist, als Pianist eine internationale Karriere machte und dessen Werke heute zu den populärsten des 20. Jahrhunderts zählen.

Piano (Illustrationsbild: © Bildagentur PantherMedia / Leung Cho Pan)

Illustrationsbild: © Bildagentur PantherMedia / Leung Cho Pan

Der 1873 in Nowgorod geboren Rachmaninow konnte mit 19 Jahren bereits seinen Durchbruch als Pianist und Komponist feiern. Aber der Weg dorthin war nicht gradlinig. Früh zeigte sich sein außergewöhnliches Talent, mit vier Jahren erhielt er ersten Unterricht durch die Mutter, danach Studium am Petersburger Konservatorium. Als Pianist war er der beste, in den begleitenden Fächern eine Katastrophe. Er muss das Konservatorium verlassen.

Rachmaninow wird in Moskau Privatschüler von Nikolai Swerev und schreibt 1992 sein berühmtes Prélude in cis-moll und bringt im selben Jahr sein Erstes Klavierkonzert zur Uraufführung. Er wird als Pianist und Komponist gefeiert. Aber der Erfolg bleibt ihm nicht treu. Was war geschehen?

1897 wird seine Erste Symphonie uraufgeführt. Die Kritik ist vernichtend. Rachmaninow, ohnehin von eher depressiver Natur, zieht sich vom Konzertleben zurück. Erst dank der Behandlung durch den Psychiater Nikolai Dahl gewinnt er wieder Selbstvertrauen und komponiert 1902 sein Zweites Klavierkonzert. (NB. Bis heute ein „Hit“ des Klavierrepertoires und sogar Ausgangspunkt des Popsongs „All by myself“)

Danach startet er eine internationale Karriere. Als Pianist und Dirigent gastiert er in St. Petersburg, Dresden und Leipzig. Zur Vorbereitung einer USA-Tournee schreibt er sein Drittes Klavierkonzert. Auch das amerikanische Publikum feiert ihn.

Sie sind vor allem von seinem „Prélude in cis-moll“ und seiner „Vocalise“ begeistert. Allerdings ist die Musikkritik weniger gnädig mit ihm: Rachmaninows Musik gilt als spießig und rückständig. Er wollte nie ein Revoluzzer sein.

Nach einer kurzen Rückkehr in die russische Heimat nutzt Rachmaninow 1917 das Angebot einer Dirigentenanstellung in den USA um seine alte Heimat für immer zu verlassen. Bald nimmt aber das Klavier den wichtigsten Platz in seinem Künstlerleben ein: Er wird zu einem der gefragtesten Pianisten der Zeit.

Es ist wahrscheinlich diese Mischung aus manchmal vordergründiger Sentimentalität und technischer Virtuosität, sowie aus spätromantischer Instrumentierung und eingängigen Themen, die oft an Filmmusikdenken lässt, die Rachmaninows Ruhm begründet hat. 1943 stirbt Rachmaninow in Beverly Hills.

Prélude in Cis-Moll Op. 3 Nr. 2
(S.Rachmaninov)
Jean-Yves Thibaude, Klavier
The Cleveland Orchestra
Ltg. Vladimir Ashkenazy
DECCA

III. Allegro vivace aus dem Klavierkonzert Nr. 1
(S.Rachmaninov)
Vladimir Ashkenazy, Klavier
Concertgebouw Orchestra
Philharmonia Orchestra
Ltg. Bernard Haitink
DECCA

4. Allegro con fuoco aus der Symphonie Nr. 1 in D-Moll Op. 13
(S.Rachmaninov)
Russian National Orchestra
Ltg. Mikhail Pletnev
DGG

2. Adagio sostenuto aus dem Konzert für Klavier und Orchester Nr. 2 in C-Moll Op. 18
(S.Rachmaninov)
Krystian Zimerman, Klavier
Boston Symphony Orchestra
Ltg. Seiji Ozawa
DGG

Allegro ma non tanto aus dem Klavierkonzert Nr. 3 D-Moll Op. 30
(S.Rachmaninov)
Nikolai Lugansky, Klavier
City Of Birmingham Symphony Orchestra
Ltg. Sakari Oramo
WARNER CLASSICS

Vocalise Op. 34 Nr. 14
(S.Rachmaninov)
Gautier Capuçon, Cello
Gabriela Montero, Klavier
VIRGIN CLASSICS

Hans Reul

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