Klassikzeit: Von „Stars and Stripes“ bis „West Side Story“

Gershwins "Rhapsody in Blue" oder Bernsteins "West Side Story" zählen zu den bedeutendsten Werken des 20. Jahrhunderts. Aber es gibt noch mehr zu entdecken in der "klassischen Musik" der USA.

Aufführung des Musicals "West Side Story" in Basel (Archivbild: Georgios Kefalas/EPA)

Aufführung des Musicals "West Side Story" in Basel (Archivbild: Georgios Kefalas/EPA)

Musik aus den USA, da denkt jeder gleich an Jazz. Zurecht. Der Jazz ist die Musik des 20. Jahrhunderts der USA. Aber daneben gibt es auch eine Tradition, die der klassischen Musik Europas verbunden ist, und davon ausgehend eine Vielfalt an Werken, die eine geniale Symbiose der beiden Genres Klassik und Jazz bilden.

Das berühmteste Beispiel ist die „Rhapsody in blue“ von Georges Gershwin aus dem Jahr 1924. Doch Gershwin (1898 – 1937), dessen Karriere als Broadway-Pianist und Music-Hall-Komponist begann, schrieb auch weitere bedeutende „klassisch“ gesetzte Werke wie das Klavierkonzert oder die Oper „Porgy and Bess“.

Vor Gershwin gab es bereits einige wichtige Komponisten. Zum Beispiel John Philip Sousa (1854 – 1932), dessen Märsche heute noch zu den Klassikern des Repertoires zählen, so „Stars and Stripes forever“.

Noch bedeutender ist gewiss Charles Ives (1874 – 1954). Ives war als Versicherungsvertreter, später als Direktor einer der größten Versicherungsgesellschaften der USA finanziell so erfolgreich, dass er Musik als Hobby ansehen konnte. Dies gab ihm die Freiheit, sich kompromisslos dem Experimentieren hinzugeben. Komplexe Rhythmen und Harmonien von einer frappanten Moderne sind die Folgen. Neben über 110 Liedern schrieb er umfangreiche Klavierwerke wie die Concord Sonate und vor allem Orchesterwerke: „Three Places in New England“ und „The unanswered question“.

Auch Aaron Copland (1900 – 1990) fand im Orchester sein perfektes Medium. Nach Studien in Paris (bei Nadia Boulanger) wird er zum musikalischen Chronisten Amerikas. Davon zeugen Werke wie „Rodeo“ (mit Zitaten aus Country Songs), „Appalachian Suite“ oder die berühmte „Fanfare for the common man“.

Georges Gershwins Beitrag zur Musik Amerikas ist von überragender Bedeutung. Niemand schaffte so perfekt die Symbiose von Jazz und Klassik. Dabei ist der Lebensweg von Gershwin mit ausschlaggebend. Als Music Hall Komponist war er zu Reichtum gelangt, aber das Geld war es nicht was ihn glücklich machte, Gershwin suchte die Anerkennung als „klassischer“ Komponist. Dafür kam er mehrmals nach Europa, wollte Unterricht bei Maurice Ravel bekommen, aber der prägte den Satz: „Warum wollen sie ein zweiter Ravel werden, wo sie doch ein erster Gershwin sind!“

Es gibt Musiker, die dank eines Werkes Unsterblichkeit erlangen. Zu ihnen zählt Samuel Barber (1910 – 1981). Sein „Adagio“ für Streicher ist ein berührendes Stück Musik und erklang und erklingt bis heute bei den Beisetzungsfeierlichkeiten bedeutender Persönlichkeiten. Aber daneben schrieb Barber mit seinem Violinkonzert eines der schönsten Konzertwerke des 20. Jahrhunderts.

Was wäre die Musik des 20. Jahrhunderts ohne Leonard Bernstein (1918 – 1990): Pianist, Dirigent, Komponist, Pädagoge. Die Bedeutung Bernsteins ist so allumfassend wie für nur wenige seiner Kollegen. Als Komponist schenkte er uns mit der „West Side Story“ das wohl beste Musical aller Zeiten. Eine spannende zu Herzen gehende Story („Romeo und Julia“ verlegt in die New Yorker Bronx), wunderschöne Melodien („Maria“) und rhythmisches Feuerwerk („America“). Was will man mehr! Aber Bernstein auf „West Side Story“ zu reduzieren, ist zu kurz gegriffen. Daneben schrieb er großartige Symphonien und Lieder.

Auch nach Bernstein blieb die Musik nicht stehen. Vor allem die Minimal Music mit Steve Reich, John Adams und Philip Glass ließ die moderne Musik des 20. Jahrhunderts neue Wege entdecken und Filmmusik ohne Bernard Herman und John Williams ist undenkbar.

I got rhythm – Variationen für Klavier und Orchester
(G.Gershwin)
Werner Haas, Klavier
Orchestre National de L‘Opéra de Monte-Carlo
Ltg. Edo De Waart
PHILIPS

Pomp and Circumstance March Nr. 4 in G-Dur
(E.Elgar)
London Philharmonic Orchestra
Ltg. Sir Georg Solti
DECCA

II Putnam‘s Camp, Redding, Connecticut aus „Three Places in New England“ (Orchestral Set Nr. 1)
(C.Ives)
The Cleveland Orchestra
Ltg. Christoph von Dohnanyi
DECCA

Hoe down aus „Rodeo“
(A.Copland)
San Francisco Symphony
Ltg. Michael Tilson Thomas
RCA

Fanfare for the Common Man
(A.Copland)
The London Philharmonic
Ltg. Carl Davis
VIRGIN

Swansea
(G.Gershwin)
Frank Braley, Klavier
HM

Rhapsody in Blue
(G.Gershwin)
André Previn, Klavier
Pittsburgh Symphony Orchestra
Ltg. André Previn
PHILIPS

Summertime
(G.Gershwin/I.Gershwin/D.Heyward)
Kathleen Battle, Sopran
Orchestra Of St. Luke‘s
Ltg. André Previn
DGG

Adagio for strings
(S.Barber)
Indianapolis Symphony Orchestra
Ltg. Raymond Leppard
DECCA

I. Phaedrus. Pausanias (Lento – Allegro) aus der Serenade für Violine, Streicher, Harpe und Schlagzeug
(L.v.Beethoven)
Hilary Hahn, Violine
Baltimore Symphony Orchestra
Ltg. David Zinman
SONY

Maria aus „West Side Story“
(L.Bernstein)
Jossé Carreras, Tenor
Chor und Orchester
Ltg. Leonard Bernstein
DGG
America aus „West Side Story“
(L.Bernsten)
Tatiana Troyanos
Chor und Orchester
Ltg. Leonard Bernstein
DGG

Hans Reul

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