Klassikzeit: Die Klassische Symphonie und wie Beethoven die Form sprengte

Der Bezeichnung Symphonie ist jedem Konzertbesucher schon begegnet. Bei einem traditionell-klassischen Konzertabend steht die Symphonie (oder auch Sinfonie) oft als Hauptwerk des zweiten Konzertteils auf dem Programm. Aber was ist eigentlich eine Symphonie? Wir geben die Antwort in der Klassikzeit.

Beethoven-Denkmal in Bonn (Bild: © Bildagentur PantherMedia / Romas_ph)

Beethoven-Denkmal in Bonn (Bild: © Bildagentur PantherMedia / Romas_ph)

Haydn schrieb 104, Mozart 41 und Beethoven neun Symphonien. Aber deshalb war Beethoven nicht weniger fleißig als Haydn, denn die Symphonie, ihre Form und Dauer hat sich allein in der Zeit der Wiener Klassik enorm entwickelt.

Bis dahin war es auch schon ein weiter Weg. Seit dem 16. Jahrhundert steht „Symphonia“ für mehrstimmige Kompositionen (auch noch für Gesang). Ab dem 17. Jahrhundert wird der Begriff ausschließlich für rein instrumentale Musik verwendet. Die Symphonie (in Italien Sinfonia) ist auch der Name für die einleitende Ouvertüre zur Oper.

Ab der frühen Klassik, um 1750, wird die Sinfonie zum allein stehenden Orchesterwerk, zunächst meist in drei Sätzen: einem schnellen Einleitungssatz (in Sonatensatzform), dem folgt ein langsamer, sehr melodischer Mittelsatz und zum Schluss gibt es einen flotten Finalsatz. Diese Struktur setzt sich in Italien (Sammartini), Wien (Wagenseil, Monn,…) oder auch Mannheim (Stamitz, Cannabich,..) durch.

Auch Joseph Haydn und Wolfgang Amadeus Mozart bleiben in den frühen Sinfonien bei der Dreisätzigkeit. Erst gegen Ende des 18. Jahrhunderts wird als zusätzlicher Satz vor dem Finale ein Menuett eingeführt. Beethoven wird dieses Menuett, das ihm allzu höfisch galant erschien, durch ein Scherzo, einen sehr lebhaften Satz ersetzen.

Beethoven wird auch als erster einer Symphonie die Stimme hinzufügen: in seiner Neunten Symphonie mit der „Ode an die Freude“ nach Friedrich Schiller. Auch wird Beethoven außermusikalische Inhalte in die sinfonische Form einfließen lassen (Pastorale mit ihren „klanglichen Naturerlebnissen“).

In der Romantik nimmt die Symphonie dann verschiedene Wege ein: Zum einen bleiben Komponisten wie Schubert, Brahms oder Bruckner der klassischen viersätzigen Form meistens treu, andere sprengen diese, in dem sie wie Berlioz in der „Symphonie Fantastique“ eine sehr persönliche Geschichte („Episoden aus dem Leben eines Künstlers“) musikalisch erzählen, was letztendlich zur Sinfonischen Dichtung führen wird.

Sinfonia zu Tito Manlio
(A.Vivaldi)
Accademie Bisnatina
Ltg. Ottavio Dantone
NAÏVE

Allegro aus der Sinfonie Nr. 59 in D-Dur
(C.Cannabich)
Lukas Consort
Ltg. Viktor Lucas
NAXOS

Allegro molto aus der Sinfonie Nr. 13 in D-Dur
(J.Haydn)
The Academy Of Ancient Music
Ltg. Christopher Hogwood
L‘OISEAU LYRE

Andante cantabile aus der Symphonie Nr. 31 D-Dur KV 297 „Paris“
(W.A.Mozart)
Wiener Philharmoniker
Ltg. Riccardo Muti
PHILIPS

Menuett aus der Symphonie Nr. 36 in C-Dur KV 425 „Linz“
(W.A.Mozart)
The English Concert
Ltg. Trevor Pinnock
PHILIPS

Menuett: Allegro molto e vivace aus der Symphonie Nr. 1 C-Dur Op. 21
(L.v.Beethoven)
Gewandhausorchester Leipzig
Ltg. Riccardy Chailly
DECCA

Scherzo: Allegro vivace aus der Symphonie Nr. 3 Es-Dur Op. 55 „Eroica“
(L.v.Beethoven)
Gewandhausorchester Leipzig
Ltg. Riccardy Chailly
DECCA

Presto aus der Symphonie Nr. 9 in D-Moll Op. 125
(L.v.Beethoven)
Karita Mattila, Sopran
Violeta Urmana, Mezzosopran
Thomas Moser, Tenor
Thomas Quasthoff, Bass
Schwedischer Rundfunkchor
Berliner Philharmoniker
Ltg. Claudio Abbado
DGG

Hans Reul