Klassikzeit: „Belgische Komponisten“ des 18. Jahrhunderts

Belgien als eigenständiges Land gab es im 18. Jahrhundert noch nicht. Aber natürlich wurde in unseren Breiten, wie auch schon in Renaissance und Barock, musiziert. In der Klassikzeit stellen wir Komponisten vor, die in Lüttich, Gent, Brüssel und dem Hennegau geboren wurden. Dem Bedeutendsten der Zunft, André-Ernest Modeste Grétry, widmen wir demnächst eine Sondersendung.

Belgische Flagge in Brüssel

Bild: Kristof Van Accom/Belga

Haben sie schon mal von den Loeillets gehört? Hierbei handelt es sich um eine Komponistenfamilie, die ursprünglich aus Gent stammte. Es gab zwei gleichaltrige Jean-Baptiste Loiellet: Der eine wurde 1688 geboren und wirkte in den Niederlanden und für den Erzbischof von Lyon. Sein Vetter gleichen Namens (Jahrgang 1680) lebte vornehmlich in London. Zur besseren Unterscheidung fügten sie ihrem Namen „de Gant“ respektive „of London“ an. Im Mittelpunkt des Schaffens der beiden Loiellets standen Werke für die Blockflöte im barocken Stil.

1703 wurde Jean-Baptiste Fiocco in Brüssel geboren. Er arbeitete zunächst als Violinist in Antwerpen, bevor er 1737 zum Chorleiter an die Kathedrale Sts Michel et Gudule in Brüssel berufen wurde. Fiocco war der wichtigste flämische Komponist in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Seine Musik verbindet den italienischen und den französischen Stil, sie enthält bereits Elemente des galanten Stils. Fiocco starb bereits 1741.

Jean-Noël Hamal (1709 – 1778) stammte aus Lüttich. Sein Werk ist gekennzeichnet vom Übergang von Barock zum Klassizismus. Er machte sich, vom italienischen Stil beeinflusst, zum musikalischen Vorreiter in verschiedenen Bereichen, wie seine Sinfonien, aber auch seine Opern im Lütticher Dialekt verdeutlichen.

Pierre Van Madere (1729 – 1768) wurde in Brüssel geboren. Von Hause aus Violinist sind viele seiner Werke dem Instrument gewidmet. Van Maldere wirkte im Orchester der „Cocnerts Spirituels“ in Paris, später auch in Prag und Wien. In seine letzten Lebensjahren war er Leiter der Brüsseler Oper.

François-Joseph Gossec (1734 – 1829) stammte aus dem Hennegau und wurde mit acht Jahren Vorsänger in der Kathedrale von Antwerpen. Mit 20 ließ er sich in Paris nieder und machte sich als Instrumentalkomponist einen hervorragenden Namen. 1773 übernahm er die Leitung der „Concerts spirituels“ und wurde zum Mitbegründer des Pariser Konservatoriums. Als Wolfgang Amadeus Mozart Paris bereiste, empfahl ihm Vater Leopold engen Kontakt zu Gossec zu suchen, dessen Symphonien und Konzerte zu den besten der Zeit zählten.

Eugen Godecharle lebte von 1742 bis 1814 in Brüssel. Er machte sich als Violinist einen Namen. Davon zeugt die Erwähnung Godecharles durch den englischen Musikbiographen Charles Burney, der im 18. Jahrhundert ganz Europa bereiste und zahlreiche Künstlerbiographien hinterließ. Trotz seines virtuosen Könnens wurde Godecharle erst zum Ende seiner Karriere die verdiente Anerkennung zuteil.

Aus Lüttich stammte Dieudonnée-Pascal Pieltain (1754 – 1833). Nach dem Studium der Violine in seiner Heimatstadt zog es Pieltain zunächst nach Paris, später nach London. Seine kompositorischen Arbeiten sind stark geprägt von den in Paris wirkenden Stamitz-Brüdern. In den Quartetten ist der Einfluss Haydns zu spüren. Sein virtuoses Können war beeindruckend und Pieltain nimmt so eine wichtige Rolle in der der Entstehung der späteren Lütticher Violinschule ein.

Auch Antoine-Frédéric Gresnick (1755 – 1799) stammte aus Lüttich. Seine Ausbildung erhielt er an der Kathedrale Saint Lambert, später ging er nach Italien. Neben seinen geistlichen Werken sind es vor allem seine Konzertanten Werke für Violine und Klarinette sowie 15 komische Opern, die seinen Ruf verbreiteten.

Satz 1
aus
Sonata I, opus 3
(J-B Loeillet de Gant)
La Caccia
Musica Ficta

Allegro
aus
Sonate II a3
(J-B Loeillet de Gant)
La Caccia
Musica Ficta

Salve Regina
(J-H Fiocco)
Scherzi Musiclai
Ltg. Nicolas Achten
Musique en Wallonie

Allegro
aus
Ouverture Nr. 1
(J-N Hamal)
Camerata Leodinesis
Musique en Wallonie

Andante
aus
Sonate Nr.1 D-Dur
(P.VanMaldere)
Ensemble Herman-François Delange
INDJ

Allegro
aus
Symphonie Nr. 3 Es-Dur
(F-J Gossec)
Les Agrémens
Ltg. Guy Van Waas
Ricercar

Finale
aus
Oper „Thésée“
(F-J Gossec)
Choeur de Chambre de Namur
Les Agrémens
Ltg. Guy Van Waas
Ricercar

Allegro
aus
Trio Nr. 6 C-Dur
(E.Godecharle)
Enssemble Herman-François Delange
INDJ

Rondo
aus
Violinkonzert Nr. 3 B-Dur
(D-P Pieltain)
Patrick Cohen-Akénine
Les Agrémens
Ltg. Guy Van Waas
Ricercar

Romance – Rondo
aus
Symphonie Concertante B-Dur
(A.F. Gresnick)
Les Agrémens
Ltg. Guy Van Waas
Ricercar