Der "Fluch der Neunten" ist eine Theorie, die höchstwahrscheinlich auf Gustav Mahler zurückgeht. Diese Theorie besagt, dass die neunte Sinfonie eines Komponisten sehr oft dessen letzte ist und dass der Komponist während der Arbeit an dieser Neunten oder nach deren Fertigstellung stirbt, spätestens aber vor der Fertigstellung einer zehnten Sinfonie.
Um diesem "Fluch" zu entgehen, versuchte Gustav Mahler einen Trick; nach seiner achten Sinfonie nannte er sein nächstes großes sinfonisches Werk nicht "neunte Sinfonie", sondern "Das Lied von der Erde". Damit glaubte er, den Fluch besiegt zu haben und komponierte schließlich eine neunte Sinfonie – und starb kurz nach deren Fertigstellung.
In der Musikgeschichte gibt es zahlreiche Beispiele von Komponisten, die nicht über eine Neunte hinausgekommen sind, unter anderen Franz Schubert - bei dem die Nummerierung der letzten Sinfonien etwas verwirrend ist und dessen Neunte heute auch oft als Achte bezeichnet wird -, Anton Bruckner, Antonín Dvořák oder auch Ralph Vaughan Williams.
Patrick Lemmens