Dmitri Schostakowitsch lebte und arbeitete unter schwierigen Bedingungen in der Sowjetunion, unter der ständigen Kontrolle des Regimes und insbesondere unter dem skeptischen Auge Josef Stalins. Nach wiederholter Kritik des Diktators an Schostakowitschs Musik lebte der Komponist in Todesangst und versuchte deshalb, mit – zumindest äußerlich – patriotischen Werken das Regime zufrieden zu stellen.
Nach außen hin schienen Schostakowitschs Kompositionen in der stalinistischen Sowjetunion also regimefreundlich, doch im Innern verbargen sie oft harsche Kritik an diesem terroristischen Apparat, der dem Komponisten verhaßt war und der ihn an der freien Entfaltung seiner Persönlichkeit hinderte. Erst Stalins Tod 1953 ermöglichte Schostakowitsch etwas mehr künstlerische Freiheit.
Schostakowitschs Filmmusik ist ebenso vielseitig wie aussagekräftig. Zwischen 1929 und 1970 komponierte er die Soundtracks zu Dutzenden von Kinofilmen, in der frühen Periode oft Propaganda-Filme des Regimes, später künstlerisch wertvollere Streifen wie die Shakespeare-Verfilmungen "Hamlet" und "King Lear".
Patrick Lemmens