Der Einakter "L‘heure espagnole" ist eine musikalische Komödie, die 1911 uraufgeführt wurde. Ravel vertont darin ein Theaterstück von Franc-Nohain, in dem die freizügige Frau eines Uhrmachers dessen regelmäßige Abwesenheit zu abwechselnden Schäferstündchen mit ihren beiden Liebhabern nutzt.
Die Oper "L‘enfant et les sortilèges" aus dem Jahr 1925 ist da völlig anders; das Libretto stammt von Colette, einer französischen Schriftstellerin, die in einem Atemzug mit Victor Hugo oder Voltaire genannt wird. Das Thema ist ein unartiges Kind, das sich im Lauf des Werks vom unausstehlichen Egoisten zu einem mitfühlenden Menschen wandelt.
Beide Kurzopern stehen in der Lütticher Produktion unter der musikalischen Gesamtleitung des Franzosen Jean-Yves Ottonce, der zum ersten Mal überhaupt in der Maasstadt dirigiert. Im Studiogespräch mit dem Maestro erfahren wir unter anderem, welche Unterschiede und welche Entwicklung zwischen den beiden einzigen Opern von Maurice Ravel liegen und warum Ravel ganz allgemein nur eine überschaubare Zahl von Werken hinterlassen hat.
Patrick Lemmens