Nicole Heinrichs vom Medienzentrum rät deshalb dazu, in öffentlichen WLANs auf alle Aktivitäten zu verzichten, bei denen Sicherheit besonders wichtig ist. Dazu zählen Online-Banking, Einkäufe mit Kreditkarte sowie alle Dienste, bei denen eine Anmeldung mit einem persönlichen Account erforderlich ist. Auch E-Mails, soziale Netzwerke und Cloud-Dienste gehören dazu. Vertrauliche Daten sollten grundsätzlich nicht verschickt werden, in öffentlichen WLANs erst recht nicht. Ebenso empfiehlt sie, dort weder Updates noch neue Apps zu installieren. Wer unterwegs dringend etwas erledigen müsse, solle dafür lieber die mobilen Daten des eigenen Anbieters nutzen. Das sei auf jeden Fall sicherer.
Wie Kriminelle Daten abfangen
Für Angriffe in öffentlichen WLANs gibt es verschiedene Techniken. Eine davon ist das sogenannte „Sniffing“. Dabei wählen sich Angreifer in dasselbe WLAN ein wie ihre Opfer und können beobachten, welche Daten verschickt oder eingegeben werden.
Eine weitere Methode ist der „Man-in-the-Middle“-Angriff. Hier schalten sich Hacker zwischen den Nutzer und den Server. So können sie Daten mitlesen oder sogar verändern.
Hinzu kommen gefälschte WLAN-Netze. Wer sich beispielsweise an einem Flughafen in ein Netzwerk mit einem Namen wie „Free Airport Wifi“ einwählt, glaubt möglicherweise, das offizielle Angebot zu nutzen. Tatsächlich kann ein solches Netzwerk aber von Hackern eingerichtet worden sein.
Auch fehlende Verschlüsselung stellt ein Risiko dar. Ohne zusätzlichen Schutz können Passwörter oder Nachrichten ungeschützt übertragen werden. Zudem besteht die Gefahr, dass Schadprogramme auf das Smartphone gespielt werden, ohne dass dies unmittelbar bemerkt wird.
Ist reiner Medienkonsum ungefährlich?
Trotz der Risiken sind öffentliche WLANs für viele Reisende praktisch, insbesondere außerhalb der EU, wo mobile Daten höhere Kosten verursachen können. Wer lediglich Videos schaut, Musik hört oder Nachrichten liest, setzt sich nach Einschätzung von Nicole Heinrichs grundsätzlich keinem besonderen Risiko aus.
Allerdings sei dabei Vorsicht geboten. Häufig melden sich Nutzer auch für solche Angebote mit einem persönlichen Account an, um auf Inhalte zugreifen zu können. Genau diese Zugangsdaten könnten dann ebenfalls gefährdet sein.
Lieber mobile Daten nutzen
Öffentliche WLANs sind nicht grundsätzlich gefährlich. Das Problem besteht laut Heinrichs jedoch darin, unterwegs nur schwer erkennen zu können, welches Netzwerk sicher ist und welches nicht. Deshalb empfiehlt sie, den Datenkonsum gegebenenfalls etwas zu reduzieren und stattdessen häufiger die mobilen Daten zu nutzen.
Automatische WLAN-Verbindungen deaktivieren
Ein weiteres Risiko besteht darin, dass sich Smartphones automatisch mit offenen WLAN-Netzen verbinden. Ursache dafür ist meist eine aktivierte Komfortfunktion, die automatische WLAN-Verbindungen zulässt. Wer verhindern möchte, dass sich das eigene Gerät selbstständig in fremde Netzwerke einwählt, sollte diese Funktion deaktivieren.
Auch das heimische WLAN muss geschützt sein
Nicht nur öffentliche Netzwerke können ein Sicherheitsproblem darstellen. Auch ein unverschlüsseltes WLAN zu Hause birgt Risiken. Je nachdem, wie weit das WLAN-Signal reicht oder wie nah Menschen am Haus vorbeikommen, können sich Fremde möglicherweise in das Netzwerk einwählen. Das ist besonders für Kriminelle interessant. Nutzen sie das fremde WLAN für illegale Aktivitäten, erscheint dies nach außen so, als kämen diese Handlungen vom Anschlussinhaber selbst, da alles über dessen IP-Adresse läuft. Nicole Heinrichs vergleicht dies mit einem Fremden, der mit dem eigenen Auto in eine Radarkontrolle fährt, ohne dass man es bemerkt.
Schwierige Einschätzung unterwegs
Öffentliche WLANs bieten Komfort, sind aber mit Risiken verbunden. Da sich unterwegs oft nur schwer beurteilen lässt, ob ein Netzwerk sicher ist, empfiehlt Nicole Heinrichs vom Medienzentrum einen vorsichtigen Umgang und verweist auf die sicherere Alternative der mobilen Datenverbindung.
Olivier Krickel