Gartentipp: Gespenstische Geisterbäume

Gartenbauexperte Franz Beckers klärt diese Woche über die sogenannten "Geisterbäume" auf - die gespenstisch aussehenden Bäume und Sträucher werden durch den Befall der Gespinstmotte verursacht.

Kahlfraß durch Raupen der Gespinstmotten (Bild: Franz Beckers)

Kahlfraß durch Raupen der Gespinstmotten (Bild: Franz Beckers)

Geradezu gespenstig und schon von weitem auffallend sind die restlos in dichte weiße Netze eingesponnenen, blattlosen Bäume und Sträucher. Selbst die dicken Hauptstämme sind von einem lückenlosen, dichten Netz überzogen.

Verursacht werden die gespenstisch aussehenden Bäume und Sträucher durch den Befall der Gespinstmotte, die in vielen Fällen restlos alle Blätter in wenigen Tagen vernichtet. Das bizarre Aussehen der befallenen Bäume, die mitunter Unbehagen und Ekel auslösen, wird im Allgemeinen auch als „Geisterbäume“ bezeichnet.

Ursache des Massenauftretens

Ein Massenauftreten von Insekten ist immer das Ergebnis mehrerer Einflüsse. Vor allem spielen klimatische Einflüsse wie Temperatur, Feuchtigkeit und Wind eine große Rolle. Der vorausgegangene milde und schneearme Winter begünstigte das Überleben der überwinternden Raupen. Auch das zurückliegende sonnenreiche und relativ regenarme Frühjahr ermöglichte eine Massenvermehrung der gefräßigen Schädlinge.

Auch wenn in Mitteleuropa nur eine Generation der meisten Gespinstmotten sich entwickelt, so treten regelrechte Massenvermehrungen auf, die in der Natur durch den Kahlfraß verschiedener Laubbäume sehr auffällig sind.

Verbreitung und Vorkommen

Gespinstmottenarten treten in vielen Regionen Mitteleuropas auf. Ob im Flachland oder im Mittelgebirge, die gefräßigen Raupen sind auch in Höhenlagen an den entsprechenden Wirtspflanzen anzutreffen.

Vor allem an Gehölzrändern von Autobahnen und Straßen, aber auch in Hausgärten, Parkanlagen oder Waldrändern tauchen die nicht zu übersehenden Fraßschäden und Gespinstbildungen an speziellen Strauch- und Baumarten auf. Vorzugsweise wird vor allen Dingen die Traubenkirsche (Prunus padus) von der Traubenkirschen-Gespinstmotte (Yponomeuta evonymellus) befallen.

Nahrungsspezialisten

Gespinstmotten sind regelrechte Nahrungsspezialisten, die in unserer Region in fünf verschiedenen Arten schädigen. Neben der Traubenkirsche werden auch das Pfaffenhütchen (Euonymus europaeus), Pflaumenbäume, Apfelbäume und Schlehen (Prunus spinosa) von jeweils speziellen Gespinstmotten attackiert.

Betrachtet man die eingesponnenen Äste und Stämme etwas genauer, entdeckt man die graugelben bis zu zwei Zentimeter großen, mit dunklen, reihenförmigen Punkten ausgestatteten Raupen, die unter dem Schutz des dichten Gespinstes die Bäume und Sträucher völlig kahl gefressen haben. Ein Teil der Tiere versucht über Abseilen oder abwärts Kriechen an den Hauptstämmen, neue Futterpflanzen zu finden, was aber in der Regel nicht möglich ist und ein Teil der Raupenkolonie verhungert.

Dichte Gespinste schützen vor Feinden

Die Gespinste geben den Raupen Schutz gegen Wind und Wetter. Auch bieten die Gespinste Schutz vor den natürlich vorkommenden Fressfeinden wie z.B. Vögel oder gar Ameisen, die den Puppen nachstellen und sie dezimieren. Außerdem sind es verschiedene parasitierende Antagonisten, zu denen die Schlupfwespen, Erzwespen oder Raubfliegen gezählt werden können.

Nach dem Kahlfraß erfolgt mit Hilfe der Gespinste die Verpuppung auf dem Baum, die zu dichten Gespinstballen gebildet werden. Im Monat Juli/August schlüpfen die kleinen weißen Falter mit schwarzen Punkten, die eine Größe von zwei Zentimeter Flügelspannweite erreichen. Das Leben der Schmetterlinge ist mit wenigen Tagen im Juli/August recht kurz und endet mit der Eiablage, für die Entwicklung der nächsten Generation im folgenden Jahr.

Keine wirtschaftlichen Schäden oder Gefahren

Auch wenn die gespenstische Attacke dramatisch aussieht, so bedeutet das für die betroffenen Bäume aber nicht das „Aus“. Nach kurzer Zeit erscheinen neue Blätter, die dann auch nicht mehr befallen werden.

Beim Erkennen der ersten Gespinste sollte der Hobbygärtner beim Befall von Apfel- oder auch Pflaumengespinstmotten frühzeitig eingreifen, sonst könnten Einbußen der Ernte möglich sein. Die einfachste Art die lästigen Raupen loszuwerden, ist ein frühzeitiges Herausschneiden der Gespinstnester oder der anfänglich befallenen Zweige. Durch die Entfernung mit einem scharfen, gezielten Wasserstrahl oder mit Hilfe eines Hochdruckreinigers, kann eine wirksame Maßnahme bei anfänglichem Befall erzielt werden.

Für den Menschen besteht bei der manuellen Beseitigung keine Gefahr, wie etwa bei den Raupen des Eichenprozessionsspinners, denn die Raupen der Gespinstmotten haben keine gefährlichen Nesselhaare.

Bei einem stärkeren Befall ist es möglich, natürliche Präparate mit dem Wirkstoff des Neembaumes oder ein biologisches Präparat mit dem Wirkstoff Bacillus thuringiensis, einzusetzen. Jedoch ist es bei größeren Bäumen schwierig, eine Benetzung der Blätter, die zur Wirksamkeit erforderlich ist, zu erreichen.

Franz Beckers

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