Kompass: Virtuelle Jugendarbeit

Seit Ende Oktober sind alle Jugendtreffs geschlossen und auch die Streetworker können nicht mehr die Treffpunkte mit ihrem Wohnmobil, dem „Moby“ anfahren. Das heißt aber nicht, dass es seitdem keine Offene und Mobile Jugendarbeit mehr gibt.

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Offene Jugendarbeit

Im Frühjahr hat die gesamte Jugendarbeit schon einmal 3 ½ Monate stillgestanden. Auch jetzt dürfen sich die Jugendlichen nicht in den dörflichen Treffs oder an den Treffpunkten der Streetworker treffen. Gibt es denn überhaupt noch Kontakte zwischen den Jugendarbeitern und den Jugendlichen?

Effektiv begrenzen sich die Kontakte zurzeit auf Kontakte mit einzelnen Jugendlichen. Die Jugendarbeiter wissen aber, wie wichtig es ist, für die Jugendlichen da zu sein. Die Streetworker haben in beiden Phasen des Lockdowns viele Anfragen erhalten und treffen sich zu Einzelberatungen mit den Jugendlichen. Sie unterstützen sie bei administrativen Aufgaben, bei der Arbeits- oder Wohnungssuche, bei der Strukturierung ihres Alltags und vielem mehr. Die Jugendarbeiter der Treffs bieten zum Beispiel einzelnen Jugendlichen, die ein offenes Ohr brauchen, Spaziergänge an.

Also ein Jugendarbeiter, ein Jugendlicher?

Im Innenbereich gilt das, wie überall, auch für die Jugendarbeit. Wenn die Jugendarbeiter jedoch der aufsuchenden Jugendarbeit nachgehen, d. h. sie gehen raus und schauen, ob sie Jugendliche in Parks oder dergleichen antreffen, dann kann es auch schon mal sein, dass sich die Jugendarbeiter aufteilen und jeweils mit einer Gruppe von zwei bis drei Jugendlichen ins Gespräch kommen. Das ist wichtig, damit die Jugendlichen auch mal mit anderen Erwachsenen reden können, als mit der Familie und den Lehrern.

Klar. Ganz anders sieht das aber sicher in Videochats aus, oder?

Ja klar, dort treffen sich die Jugendarbeiter auch weiterhin mit einer größeren Gruppe junger Menschen. Das wurde bisher auch weitgehend so praktiziert. Ab nächster Woche wird sich dies aber ändern. Die Jugendarbeiter des Jugendbüros konzentrieren sich nicht mehr auf die Jugendlichen ihrer Gemeinde, sondern bündeln ihre digitalen, virtuellen Angebote, um gemeinsam alle Jugendlichen in der deutschsprachigen Gemeinschaft erreichen zu können.

Was kann man sich denn konkret unter diesen „digitalen, virtuellen Angeboten“ vorstellen?

Die Jugendarbeiter haben über die, bei der Jugend bekannte, digitale Plattform „Discord“ einen virtuellen Treffpunkt mit mehreren Räumen für alle ostbelgischen Jugendlichen eingerichtet. So wird Jugendlichen jeden Tag mehrere Stunden die Möglichkeit geboten, einen Jugendarbeiter virtuell antreffen zu können. Sie können sich aber auch in ihrem eigenen virtuellen Jugendtreff treffen, um unter sich zu sein. Außerdem bieten die Jugendarbeiter an vielen Abenden besondere Aktivitäten an.

Ich lese hier auf eurem Plan, dass es Gitarren- und Yogakurse gibt, Fifa-Turniere, Sport-Play und Fun-Abende. Sogar ein Flashmob ist geplant. Das hört sich ja sehr abwechslungsreich an. Wenn ich Jugendlicher bin, wie komme ich dann in diese virtuellen Jugendtreffs rein und wie weiß ich, wann ich dort jemanden antreffen kann?

Das wird ganz einfach sein. Ab nächster Woche verbreiten das Jugendbüro und die Jugendtreffs auf der Internetseite und den Social-Media-Kanälen Facebook und Instagram Erklärvideos und Links, mit denen sich jeder Jugendliche einloggen kann. Zuerst wird man im Empfangsbereich begrüßt und dann kann‘s losgehen. Des Weiteren wird es einen Kalender geben, in dem jeder einsehen kann, wann welche Permanenz oder Aktivität geplant ist. Für technische Fragen wird ein Jugendarbeiter bereitstehen. Jugendliche sind da aber in der Regel sehr versiert und experimentierfreudig.

Infos: Nils Hensen, Jugendbüro