Verbrauchertipp: Zusatzstoffe in Lebensmitteln

Es geht diese Woche um Zutaten auf Verpackungen von verarbeiteten Lebensmitteln. Die Zutatenliste einer Tütensuppe kann durchaus Fragen aufwerfen. Man müsste schon Chemiker sein, um alle Wörter richtig zu deuten und zu verstehen. Auf vielen Zutatenlisten wimmelt es nur so von Konservierungs- und Farbstoffen, Emulgatoren oder Stabilisatoren. Kaum jemand kennt sich im Dschungel der Lebensmittel-Zusatzstoffe aus.

Bernd Lorch von der Verbraucherschutzzentrale

Bernd Lorch von der Verbraucherschutzzentrale (Foto: BRF)

Was sind Zusatzstoffe und warum sind sie in so vielen Lebensmitteln enthalten?

Bei Zusatzstoffen handelt es sich um winzige Produkte, die Lebensmitteln beigemischt werden, um die Haltbarkeit, das Aussehen oder den Geschmack zu beeinflussen. Auch  die Handhabung der Lebensmittel kann durch Zusatzstoffe verändert werden. Durch Backtriebmittel wird beispielsweise das Volumen eines Teiges vergrößert und in der Margarine werden Emulgatoren eingesetzt, um sie streichzarter zu machen.

Wie viele Zusatzstoffe gibt es derzeit?

Im Schnitt gibt es derzeit rund 320 verschiedene Zusatzstoffe, die von der EU zugelassen sind. Diese sind in  sieben verschiedene Klassen unterteilt, in Farbstoffe, Konservierungsstoffe, Säuerungsmittel, Verdickungs- und Feuchthaltemittel, Geschmacksverstärker und Süßstoffe.

Findet man diese Zusatzstoffe auf den Verpackungen der Lebensmittel. Handelt es sich dabei um die bekannten E-Nummern?

Auf Verpackungen steht E340 als Stabilisator oder E160 als Farbstoff. Das E steht für Europa und im Deutschen könnte man auch sagen für „essbar“. Alle Zusatzstoffe haben ein europäisches Zulassungsverfahren durchlaufen und so ihr E und ihre Nummer erhalten. Die Stoffe werden nur zugelassen, wenn sie für den Verbraucher als unbedenklich gelten. Seit einigen Jahren werden die Zusatzstoffe häufig bei ihrem ganzen Namen genannt, anstatt bei den E-Nummern.

Sind Zusatzstoffe schädlich für den Körper?

Es gibt Zusatzstoffe, die Einfluss auf den Körper haben können, wie beispielsweise auf die Verdauung. Diese können auch für Menschen mit Stoffwechselerkrankungen problematisch sein, andere können wiederum Allergien auslösen. Seit 2005 müssen Zutaten, die häufig Allergien auslösen, auf verpackten Lebensmitteln gekennzeichnet werden, wie glutenhaltiges Getreide, Erdnüsse oder Milcheiweiß. Viele Risiken sind noch nicht eingehend erforscht. Gerade bei Kindern und empfindlichen Personen ist Vorsicht geboten.

Warum ist gerade bei Kindern Vorsischt geboten?

Azorfarbstoffe kommen vor allem in Lebensmitteln vor, die Kinder verzehren. Diese stehen im Verdacht Hyperaktivität und Aufmerksamkeitsstörungen auszulösen. Daher muss eine entsprechende Warnung auf der Verpackung angegeben sein. Ein anderer Stoff ist Glutamat, ein sehr bekannter Geschmacksverstärker, der ebenfalls als bedenklich gilt und das berühmte China-Restaurant-Syndrom auslösen kann. Dieser Stoff ist vor allem in vielen Fertiggerichten, Tütensuppen und Kartoffelchips.

Wie sieht es mit BIO-Lebensmitteln aus?

Auch Bio-Lebensmittel sind nicht ganz frei von Zusatzstoffen, allerdings sind diese hier sehr stark begrenzt. So dürfen beispielsweise keine Farbstoffe, Süßstoffe oder Geschmacksverstärker verwendet werden. In Zahlen ausgedrückt, sind für Bio-Lebensmittel knapp 50 Zusatzstoffe zugelassen. Das ist ungefähr ein Siebtel der herkömmlichen Zusatzstoffe.

Zusatzstoffe müssen aber nicht prinzipiell gemieden werden?

Nein, müssen sie nicht. Ganz vermeiden lässt sich der Verzehr von Zusatzstoffen nicht, weil sie in vielen Produkten enthalten und nicht immer erkennbar sind. Die Lebensmittelindustrie setzt Zusatzstoffe ein, um den Umsatz zu
fördern und Kunden an sich zu binden.

Was kann der Verbraucher tun?

Der Verbraucher sollte Fertigprodukte meiden, manche Hersteller verzichten bewusst auf Zusatzstoffe, wie der Lebensmittelhersteller „Frosta“. Knallbunte Süßigkeiten sollten ebenfalls gemieden werden. Der Verbraucher kann frisch zubereitete und selbstgekochte Lebensmittel  und kann die Zutatenliste aufmerksam lesen. Bei einer endlosen Zutatenliste, lässt man die Lebensmittel lieber im Regal stehen.

Infos: Bernd Lorch, VSZ Ostbelgien