Verbrauchertipp: Wie gefährlich sind E-Bikes?

Seit der Corona-Pandemie erfreut sich Radfahren immer größerer Beliebtheit. Dies gilt insbesondere für E-Bikes. Aber leider hört man immer wieder von Unfällen.

Bernd Lorch von der Verbraucherschutzzentrale

Bernd Lorch von der Verbraucherschutzzentrale (Foto: BRF)

Prinzipiell ist die Unfallgefahr für alle Arten von Fahrrädern gleich groß, wenn gleich schnell gefahren wird. Die Risiken hängen vor allem von der Person ab, die das Rad fährt. Jedoch kann ein Elektrofahrrad mit weniger Anstrengung wesentlich schneller fahren. So fährt ein E-Bike bis zu 25 km/h und ein Speed-Pedelec sogar bis zu 45 km/h. Wenn Fahrradfahrer solche Geschwindigkeiten nicht gewohnt sind, kann es gefährlich werden.

Durch das meistens deutlich höhere Gewicht von E-Bikes haben diese auch einen wesentlich längeren Bremsweg und sind oft schwerer zu manövrieren als gewöhnliche Fahrräder. Unter anderem wird so zum Beispiel das Ausweichen von Hindernissen erschwert.

Senioren und E-Bikes

E-Bikes sind vor allem bei Senioren sehr beliebt, denn sie können ohne zu große Anstrengung längere Strecken zurücklegen. Allerdings sind sie dadurch viel länger den Gefahren des Straßenverkehrs ausgesetzt. Senioren verunglücken zwar nicht häufiger mit einem Elektrofahrrad als jüngere Menschen, doch die Folgen sind leider oftmals schlimmer. Der Grund dafür sind die manchmal eingeschränkten körperlichen Fähigkeiten von über 65-Jährigen und eine verminderte Reaktionsgeschwindigkeit.

Ein jüngerer Radfahrer übersteht einen Sturz vielleicht mit ein paar Kratzern, während sich eine ältere Person bei einem ähnlichen Sturz die Hüfte bricht. Das Risiko, bei einem Unfall mit einem gewöhnlichen Fahrrad getötet zu werden, ist für Personen über 65 Jahre fast siebenmal höher als für jüngere Fahrer.

Schutz vor Unfällen

Bei Unfällen mit Fahrrädern ist in den meisten Fällen nur eine Person beteiligt. Mehr als jeder fünfte Unfall, an denen Senioren mit Elektrofahrrädern beteiligt waren, passiert beim Auf- oder Absteigen vom Fahrrad. Dies sind nur die offiziellen Zahlen. Da solche Unfälle meistens nicht von der Polizei festgestellt werden, ist die tatsächliche Zahl wahrscheinlich noch bedeutend höher.

Um sich vor Unfällen zu schützen, gelten für das E-Bike zunächst einmal dieselben Verhaltensrichtlinien wie auch in anderen Verkehrssituationen. Der Fahrer sollte seine Geschwindigkeit den Umständen anpassen und stets vorausschauend fahren und defensiv agieren. Hinzu kommt jedoch, dass andere Verkehrsteilnehmer eventuell nicht wissen, wie schnell ein E-Bike tatsächlich fahren kann. Deswegen ist es besonders wichtig, die Verkehrssituation so genau wie möglich einzuschätzen. Dies gilt besonders für Speed-Pedelecs. Außerdem sollten ältere Radfahrer die Tretunterstützung nur so hoch einstellen, dass die Geschwindigkeit an die eigene Leistungsfähigkeit und Reaktionsfähigkeit angepasst ist.

Der Fahrradhelm

Laut einer Vias-Studie gibt jeder zweite Radfahrer zu, dass er keinen Fahrradhelm trägt. Das Tragen eines Helms ist zwar nicht vorgeschrieben, doch ein guter Helm ist der beste Schutz vor Kopfverletzungen. Gerade diese sind die häufigste Ursache dafür, dass verunglückte Radfahrer ins Krankenhaus eingeliefert werden müssen. Studien belegen, dass die Zahl der Kopfverletzungen um 70 % gesenkt werden könnte, wenn die Fahrradfahrer einen Helm tragen würden. Das sollte ein ausreichender Grund für alle Altersklassen sein, nicht zum Helmmuffel zu werden.

Weitere Infos finden Sie auch im Netz unter www.vsz.be

Infos: Bernd Lorch, VSZ Ostbelgien