Verbrauchertipp: Winterreifen

Die Tage werden kürzer, das Laub fällt von den Bäumen und die ersten frostigen Nächte sind da  - kurz gesagt: es ist Winterreifen-Zeit. Aber lohnt es sich angesichts der milderen, schneeärmeren Winter überhaupt noch, diese aufzuziehen?

Bernd Lorch von der Verbraucherschutzzentrale

Bernd Lorch von der Verbraucherschutzzentrale (Foto: BRF)

Ob Sommer- oder Winterreifen – keine Reifenart sollte ganzjährig, sondern stets der Jahreszeit angepasst gefahren werden. Während Winterreifen bei warmen Temperaturen recht schnell verschleißen, verlieren Sommerreifen bei tieferen Temperaturen ihre Geschmeidigkeit.

Sieben-Grad-Grenze

Gerade der Trend zu immer breiteren Reifen mit immer höherer Geschwindigkeitskategorie führt dazu, dass die Sommerreifen deutlich weniger sicher sind, sobald die Temperatur unter sieben Grad Celsius sinkt. Denn ab sieben Grad verhärtet die Gummimischung des Sommerreifens zunehmend, während die  Mischung von Winterreifen gewährleistet, dass diese Reifen auch bei extrem niedrigen Temperaturen von bis zu -40 °C geschmeidig bleiben. Die meisten Pluspunkte sammeln Winterreifen dank des ausgeprägten Profils auf Schnee. Dieses sorgt für einen Verzahnungseffekt, was den Gripp, also die Haftreibung, erhöht. Und die zahlreichen Lamellen sollen zudem bei vereister Fahrbahn für eine bessere Haftung sorgen. Außerdem verkürzen Winterreifen den Bremsweg erheblich.

Auf Profiltiefe achten

Die belgische Straßenverkehrsordnung sieht vor, dass Winterreifen eine Mindestprofiltiefe von 1,6 Millimetern aufweisen müssen. Das ist in den Augen zahlreicher Experten aber viel zu gering. So fordert Touring Secours beispielsweise eine Profiltiefe von mindestens 3,5 Millimetern, während der deutsche ADAC sogar eine Tiefe von mindestens 4 Millimetern empfiehlt.  Die Hersteller schlagen in dieselbe Kerbe: Ab 3 bis 4 Millimetern Profiltiefe haben Winterreifen deutlich schlechtere Werte, was die Matsch- und Schneetauglichkeit anbetrifft und das Aquaplaningverhalten nimmt ebenfalls entscheidend ab. Zum Vergleich: Ein neuer Winterreifen weist in der Regel eine Profiltiefe von 8 bis 9 Millimetern auf.

Allwetterreifen keine Lösung

Vor dem Hintergrund schneearmer Winter entscheiden sich manche Autofahrer für Allwetterreifen und wollen somit dem zwei Mal jährlich erforderlichen Reifenwechseln aus dem Weg gehen. Test-Achats rät davon ab. Denn auch wenn es in den letzten Jahren erhebliche Fortschritte gegeben hat, schneiden Allwetterreifen bei Tests höchstens zufriedenstellend ab, beispielsweise bei nassen Straßenverhältnissen. Sie sind also derzeit noch keine ernsthafte Alternative. Außerdem ist ihre Lebensdauer etwas kürzer als die von Winterreifen.

Winterreifenpflicht

In Belgien gibt es im Übrigen keine Winterreifenpflicht. IN unseren Nachbarländern sieht die Sache hingegen anders aus. Schon seit Jahren gilt für Luxemburg eine Winterreifenpflicht bei winterlichen Straßenverhältnissen. Wer bei Schnee und oder Eis von der Polizei mit Sommerreifen erwischt wird, muss ein Bußgeld in Höhe von 74 Euro zahlen.

Die Regelung in Deutschland ähnelt den Luxemburger Bestimmungen: Wer hier mit falscher Bereifung zwischen dem 1. November und dem 15. April erwischt wird, zahlt mindestens 60 Euro und wer zudem noch den Verkehr behindert – etwa, weil er an einer Steigung hängen bleibt – kann mit 80 Euro Bußgeld rechnen. Richtig teuer wird es, wenn ein Unfallverursacher bei Winterwetter ohne Winterreifen unterwegs war. In Österreich gibt es keine generelle Winterreifenpflicht aber eine Pflicht, die Winterreifen oder Schneeketten vorschreibt, sobald winterliche Straßenverhältnisse herrschen. Das heißt: Schneematsch, Schnee oder zugefrorene Straßen. Wer sich nicht daranhält und erwischt wird, muss unter Umständen ziemlich tief in die Tasche greifen: Dann kann ein Bußgeld von bis zu 5.000 Euro fällig werden.

Weitere Infos finden Sie auch im Netz unter www.vsz.be.

Infos: Bernd Lorch, VSZ Ostbelgien