Das kleine 1×1 der Heilpflanzen: die Heidelbeere

Wer sie nascht, weiß, wie stark sie färben! Schon im alten Rom hat man Heidelbeeren als Färbemittel für Gewänder genutzt. In der Heilkunde werden vor allem die getrockneten Beeren eingesetzt. Als Teezubereitung helfen sie zum Beispiel gegen Durchfall und fördern die Wundheilung.

Unsere Waldbeeren, anderenorts auch Blaubeeren oder Schwarzbeeren genannt, heißen offiziell Heidelbeeren (Vaccinium myrtillus). Die Heidelbeere gehört zur Familie der Heidekrautgewächse. Sie ist ein niedriger Strauch, der in unseren Wäldern oft dichte Bestände bildet.

Die Blätter sind elliptisch und wechselständig an den grünen Zweigen angeordnet. Die kugelförmigen Blüten sind blassrosa und die Beeren dunkelblau. Die Beeren kann man von Juli bis September ernten.

Wirkung

Eine alte Volksweisheit drückt aus, welche positiven Eigenschaften die Heidelbeere hat: „In der Heidelbeerernte kann der Arzt auf Urlaub gehen“.

In der Heilkunde werden vor allem die getrockneten Beeren eingesetzt. In selteneren Fällen werden aber auch die frischen Beeren verwendet. In der Volksheilkunde wird zudem ein Tee aus den Blättern gegen die Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) eingesetzt, um ein Fortschreiten der Krankheit zu verlangsamen.

Eine zu lange Anwendung (d.h. mehr als drei Wochen) oder eine zu  hohe Dosierung kann aber zu Vergiftungserscheinungen führen. Deshalb wird Heidelbeerblätter-Tee heute nicht mehr empfohlen.

Frische Beeren

Wer zu viele frische Heidelbeeren isst, bekommt Durchfall. Sie regen die Darmtätigkeit an und wirken abführend. Deshalb werden frische Heidelbeeren zum Austreiben von Spul- und Madenwürmern eingesetzt.

Getrocknete Beeren: Innerlich

Aufgrund des hohen Gerbstoffgehalts wirken getrocknete Beeren stopfend, also gegen Durchfall. Kinder und Erwachsene können die getrockneten Beeren kauen oder Tee trinken. Auch bei Brechdurchfall sind Heidelbeeren das Mittel der Wahl.

Sogar für Säuglinge sind die getrockneten Beeren als Heilmittel geeignet: Zu Tee verarbeitet kann er dem Kind direkt verabreicht werden oder aber anstelle von Wasser zur Zubereitung des Fläschchens genommen werden.

Getrocknete Beeren: Äußerlich

Gerbstoffe wirken zusammenziehend und deshalb kann ein Tee aus getrockneten Heidelbeeren auch äußerlich eingesetzt werden. Auflagen damit fördern die Wundheilung & Vernarbung und helfen bei leichten Verbrennungen oder Akne. Der Tee als Gurgelmittel lässt Entzündungen der Mund- und Rachenschleimhaut abklingen.

Radikalfänger

Heidelbeeren färben blau. Die blauen Farbstoffe, Anthozyane genannt, liegen direkt unter der Fruchtschale und sind einer der stärksten Radikalfänger (d.h. sie wirken gegen Atome oder Moleküle, die unsere Zellen zerstören). Sie sind sowohl in den frischen als auch in den getrockneten Beeren vorhanden. Anthozyane wirken vor allem in zwei Bereichen:

  • Sie haben eine allgemein zellschützende Wirkung, und dies vor allem auf die Blutgefäße. Deshalb beugen sie Herz-Kreislauferkrankungen vor, helfen bei Bluthochdruck und fördern Gedächtnis- und Lernfähigkeit.
  • Sie steigern die Aktivität von Netzhautenzymen und verbessern das Nacht- und Dämmerungssehen, deshalb wirken sie hervorragend gegen Nachtblindheit.

Zubereitung

Die safthaltigen Beeren schimmeln leicht. Deshalb sollte man die Beeren in nur einer Lage auf ein Backblech (oder auf das Sieb eines Dörrapparates) legen und sie anschließend bei leichter Hitze (40°C) unter mehrmaligem Wenden gut trocknen lassen. Die Beeren müssen anschließend in einem dunklen Schraubglas gut verschlossen aufbewahrt werden.

Heidelbeer-Tee gegen Durchfall

Erwachsene nehmen 2 Esslöffel, Kinder 1 EL und Säuglinge 1/2 EL getrocknete Beeren auf 150 ml kaltes Wasser. Die Mischung zum Kochen bringen, 10 Minuten kochen lassen und abseihen. Mehrmals täglich eine Tasse trinken. Diese Abkochung kann auch als antientzündliches Gurgelmittel oder für Auflagen bei Hautleiden genutzt werden.

Mythologie: Geschichte der Heidelbeere

Die Beeren der Heidelbeere wurden schon immer vielfältig eingesetzt: nicht nur als schmackhafte Köstlichkeit oder Heilpflanze, sondern auch als Färbemittel. Im alten Rom färbte man mit der Heidelbeere die Gewänder der Sklaven, damit jeder die Entrechteten sofort erkennen konnte. Auch später noch wurden Tuche mit dem Saft der Heidelbeeren gefärbt. Mancher Winzer versetzte sogar seinen Wein mit Heidelbeersaft, damit er eine intensivere Farbe erhielt.

Die Wirkung auf die Augen wurde im 2. Weltkrieg entdeckt. Man stellte fest, dass Kampfpiloten, die viel Heidelbeer-Marmelade aßen, bei Flügen in der Dämmerung und bei Nebel besser sahen. Spätere Studien belegten diese Heilwirkung. Zur Optimierung der Sehkraft sollte man regelmäßig Heidelbeer-Muttersaft (d.h. Presssaft ohne irgendwelche Zusätze) oder Fertigpräparate einnehmen.

Das kleine 1×1 der Heilkräuter – in Zusammenarbeit mit der Heilpflanzenakademie APC in Elsenborn. Jeden zweiten und vierten Freitag im Monat um 11:15 Uhr in ‘Gut aufgelegt’ auf BRF1 und hier im Netz.
Kontakt: 0474/55.08.38 (Michaela Schumacher-Fank)

Hinweis: Bei ernsthaften Beschwerden ziehen Sie bitte Ihren Arzt zu Rate.

Michaela Schumacher-Fank, Heilpflanzenakademie APC

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