Das kleine 1×1 der Heilpflanzen: Baldrian

Der Baldrian bevorzugt feuchte Standorte mit lockeren Böden, vorzugsweise in feuchten Wiesen, an Fluss- und Bachufern. Die Pflanze (Familie der Baldriangewächse) wird ca. 1,50 Meter hoch, hat auffällig gefiederte Blätter und schmückt sich von Juni bis August mit weiß-rosa Blütenständen. Medizinisch verwendet wird ausschließlich die Baldrianwurzel.

Wenn der Baldrian im Mittelalter als Allheilmittel benutzt wurde – z.B. gegen die Pest, bei Augenleiden oder als allgemeines Stärkungsmittel, so haben sich in neuester Zeit alle Heilkräfte des Baldrians auf eine Hauptwirkung reduziert.

Baldrian ist wohl das bekannteste Nervenmittel überhaupt. Lange galt er ausschließlich zur Beruhigung des weiblichen Geschlechts, weshalb die Damen um die Jahrhundertwende noch ein Baldrianfläschchen „für alle Fälle“ bei sich trugen. Nach zahlreichen wissenschaftlichen Studien weiß man aber heute, dass natürlich auch die Männer von diesem wohltuenden Nervenmittel profitieren können.

Schon Pfarrer Kneipp schrieb: „Alle Formen von nervösen Zuständen, ob im Krampf oder Schmerz, verlangen den Baldrian!“ Und tatsächlich beeinflusst der Baldrian die Stoffwechselaktivität der Nervenzellen und ist deshalb ein zuverlässiges und unschädliches Nervenmittel.

Baldrian wirkt in erster Linie entspannend, weswegen er gerne bei Schlafstörungen aufgrund nervöser Unruhe genommen wird. Baldrian am Abend fördert die Schlafbereitschaft, verkürzt die Einschlafzeit und verbessert die Schlafqualität.

Baldrian macht allerdings nicht müde! Deshalb kann er auch tagsüber bei nervöser Unruhe, Prüfungsstress und Überarbeitung genommen werden. Baldrian gleicht psychisch aus, beruhigt und entspannt. Auch Angstzustände, Wetterfühligkeit und Bluthochdruck können mit Baldrian verbessert werden.

Ernte

Im Herbst fließen die Pflanzenkräfte aus den oberirdischen Teilen in die unterirdischen zurück. Das ist der richtige Zeitpunkt, um heilkräftige Wurzeln zu ernten. Besonders der Monat Oktober eignet sich dazu. Die Wurzeln werden ausgegraben, gewaschen, in Streifen geschnitten und so rasch wie möglich getrocknet. Das Sammeln von Wurzeln im Oktober ist für fast alle Pflanzen empfehlenswert, deren Wurzeln medizinisch genutzt werden.

Zubereitung

Viele Menschen erachten den Baldrian als unwirksam oder gar als wach machend. Diese paradoxe Reaktion kann durch eine Unterdosierung zustande kommen. Unter 200 mg Extraktmenge regt Baldrian eher an – zum Beruhigen sind 900 mg nötig.

Tee

1 EL klein geschnittene Wurzel mit einer Tasse Wasser kalt ansetzen, 1 Stunde lang köcheln und 2-3 Stunden ohne Hitze nachziehen lassen. Diese Methode ist wesentlich wirksamer als das Überbrühen mit kochendem Wasser. Mit Honig süßen. Bei Schlafstörungen während sechs Wochen drei Mal täglich eine Tasse trinken (im Akutfall zwei bis drei Tassen).

Da die optimale Teezubereitung wie oben beschrieben recht aufwändig ist, wird häufig zu Fertigpräparaten oder zum alkoholischen Auszug, der Tinktur, gegriffen. Auch bei der Tinktur kommt es ganz wesentlich auf die richtige Dosierung an: Ein- bis mehrmals täglich wird ½-1 TL (dies entspricht 2-3 ml, bzw. 40-60 Tropfen) eingenommen.

Baldrianschlafwein (nach U. Bühring)

1 Liter trockenen Rotwein mit 100 g gut zerkleinerter Baldrianwurzel auf dem Herd erwärmen (etwa 50°C), dann bei geschlossenem Deckel erkalten lassen und 2-5 Esslöffel Honig einrühren. Kühl gestellt ist der Schlafwein über einen Zeitraum von vier Wochen haltbar. Trinken Sie abends ein Likörgläschen davon.

Mythologie: Geschichte des Baldrians

Sein lateinischer Name „Valeriana“ leitet sich von „valere“ ab, was soviel wie „kräftig sein“ oder „sich wohl befinden“ bedeutet. Diese Namensgebung zeugt davon, dass der Baldrian im Mittelalter als ein Allheilmittel angesehen wurde. Viele seiner Wirkungen, die in alten Kräuterbüchern aufgezeichnet wurden, sind heute in Vergessenheit geraten.

Im Volksmund wird die Pflanze auch „Stinkwurz“ genannt, weil sie einen eigenartigen Geruch hat, der von vielen als unangenehm empfunden wird. Wie alle stark duftenden Kräuter wurde der Baldrian deshalb auch zur Abwehr des Bösen, gegen Hexen und gegen die Ansteckung der Pest und Seuchen eingesetzt. Der Mensch empfindet den Duft des Baldrians also allgemein eher als unangenehm. Katzen hingegen lieben diesen Duft.

Das kleine 1×1 der Heilkräuter – in Zusammenarbeit mit der Heilpflanzenakademie APC in Elsenborn. Jeden zweiten und vierten Freitag im Monat um 11:15 Uhr in ‘Gut aufgelegt’ auf BRF1 und hier im Netz.
Kontakt: 0474/55.08.38 (Michaela Schumacher-Fank)

Hinweis: Bei ernsthaften Beschwerden ziehen Sie bitte Ihren Arzt zu Rate.
Literaturtipp: Ursel Bühring, Alles über Heilpflanzen, Ulmer (2007)

Michaela Schumacher-Fank, Heilpflanzenakademie APC

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