Das kleine 1×1 der Heilpflanzen: Nadelbäume

Nadelöle wirken desinfizierend und schleimlösend und sind deshalb besonders in der kalten Jahreszeit besonders gefragt. Auch bei Sportverletzungen werden ätherische Öle eingesetzt.

Fichte, Weißtanne, Kiefer und Lärche gehören zur großen Familie der Kieferngewächse. Im Gegensatz zur Fichte ist die Tanne in unseren Wäldern kaum zu finden. Das wohl bekannteste Unterscheidungsmerkmal sind die Zapfen: Sie stehen bei der Tanne aufrecht und hängen bei der Fichte herab. Bei Lärchen sind die Nadeln in kleinen Büscheln angeordnet, die sich im Herbst verfärben und abfallen. Kiefern sind an ihren sehr langen Nadeln zu erkennen.

Wirkung

Der Duft der Nadelbäume ist bedingt durch die ätherischen Öle, die in den Nadeln und Zweigen enthalten sind. In ihrer Zusammensetzung sind die Öle und Harze zwar recht unterschiedlich, in ihrer Wirkung hingegen ähnlich.

Erkältung

Durch Wasserdampfdestillation können sie aus dem Pflanzenmaterial extrahiert werden und zu medizinischen Zwecken weiter verarbeitet werden. Die ätherischen Öle der verschiedenen Nadelbäume wirken allesamt stark desinfizierend, vor allem auf die Raumluft. Daher sind Nadelöle besonders in Erkältungszeiten empfehlenswert, wenn Viren und Bakterien nur darauf lauern, die von der Heizung ausgetrockneten Atemwege zu überfallen.

Zudem wirken sie schleimlösend bei Schnupfen oder Bronchitis, sowie allgemein ausgleichend und entspannend. Außerdem haben ätherische Öle von Kieferngewächsen generell eine durchblutungsfördernde und cortisonartige, bzw. schmerzstillende Wirkung. Deshalb sind Einreibungen damit bei Rheumatikern und Sportlern sehr beliebt (z.B. Franzbranntwein).

„Zugsalbe“

Neben den ätherischen Ölen aus den Nadeln, kann auch das Baumharz medizinisch verwendet werden. Wird das Holz des Baumes verletzt, tritt eine klebrige Flüssigkeit aus, um die Wunde zu schließen, das Baumharz. Die desinfizierenden und durchblutungsfördernden Eigenschaften des Harzes können auch wir nutzen. Eine Harzsalbe kann als „Zugsalbe“ bei Furunkeln und zum Herausziehen von Splittern, oder auch als Wärmesalbe bei Erkältungen oder rheumatischen Beschwerden eingesetzt werden.

Zubereitung

Tee (bei Erkältung)

1 Esslöffel frische Tannen- oder Fichtennadeln (Sammeln ist das ganze Jahr über möglich) sehr klein schneiden, mit 1 Tasse heißem Wasser übergießen, 10 Minuten ziehen lassen, absieben und mit Honig süßen.

Bad (bei Erkältung und Rheuma)

Zubereitung wie der Tee, allerdings mit 300 g Nadeln auf 2 Liter Wasser

Sirup (bei Husten)

1-2 Tassen frische, hellgrüne Triebe („Maitriebe“) im Frühjahr sammeln und schichtweise mit der gleichen Menge Honig oder Rohrzucker im Wechsel in ein Schraubglas schichten, bis es ganz voll ist. Vier Wochen ruhen lassen und anschließend den zähen Sirup absieben und in ein dunkles Glas füllen. Bei Husten 3-7 Mal täglich einen Teelöffel lutschen. Maximal ein Jahr haltbar.

Raumduft (zur Desinfektion des Raumes bei Erkältungen und zur Entspannung)

Je nach Raumgröße 5 bis 10 Tropfen reines ätherisches Öl in eine Wasserschale geben und auf die Heizung stellen oder in eine Duftlampe geben. Ätherische Öle sind in Apotheken, Drogerien, Reformhäuser, Bioläden etc. erhältlich. Achten Sie auf die Aufschrift „100% naturrein“. Nadelöle sind nur gut ein Jahr lang haltbar.

Harzsalbe (als „Zugsalbe“ oder Wärmesalbe)

Harz kann man das ganze Jahr über sammeln. Im Sommer ist der Duft besonders intensiv, im Winter lässt es sich leichter sammeln, weil es gehärtet ist. Ein Glas unter den Harztropfen halten und mit einem angespitzten Holzstöckchen oder Messer behutsam von der Rinde lösen. Es ist empfehlenswert, einen mit Salatöl getränkten Lappen mitzunehmen, um sich die Hände zu säubern.

30 g Tannen- oder Fichtenharz in einem beschichteten Topf zum Schmelzen bringen (nicht kochen!), dann sogleich 100 ml Olivenöl zugeben und erwärmen. Anschließend durch ein Leinenläppchen abfiltern. Das Harzöl wieder in den Topf geben, ca. 10 g Bienenwachs (aus der Apotheke) einrühren, schmelzen lassen und die flüssige Salbe anschließend in mehrere kleine Salbendöschen abfüllen. Den Deckel erst schließen, wenn die Salbe kalt ist.

(Rezept: Ursel Bühring)

Mythologie: Geschichte der Nadelbäume

Für die Germanen war die immergrüne Fichte ein Symbol der Hoffnung und dem Lichtgott Baldur geweiht. Gerade diesen Baum schmücken wir heute zu Weihnachten als Lichterbaum mit brennenden Kerzen.

In unseren hiesigen Wäldern machen die Fichten heute mehr als die Hälfte des Baumbestandes aus. Dies war aber nicht immer so. Erst im 19. Jahrhundert wurde die Fichte großflächig unter dem Regime der Preußen angepflanzt. Deshalb wird die Fichte hierzulande oft als „Preußenbaum“ bezeichnet.

Das kleine 1×1 der Heilkräuter – in Zusammenarbeit mit der Heilpflanzenakademie APC in Elsenborn. Jeden zweiten und vierten Freitag im Monat um 11:15 Uhr in ‘Gut aufgelegt’ auf BRF1 und hier im Netz.
Kontakt: 0474/55.08.38 (Michaela Schumacher-Fank)

Hinweis: Bei ernsthaften Beschwerden ziehen Sie bitte Ihren Arzt zu Rate.

Michaela Schumacher-Fank, Heilpflanzenakademie APC

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