Gartentipp: Pilzkrankheiten schädigen Kirschlorbeer

Der Kirschlorbeer ist eine der beliebtesten Heckenpflanzen. Der starke Befall durch den Echten Mehltaupilz ist auf den diesjährigen Witterungsverlauf zurückzuführen. Gartenbauexperte Franz Beckers setzt auf den jährlichen Rückschnitt.

Kirschlorbeer: Befall von Echtem Mehltau

Kirschlorbeer: Befall von Echtem Mehltau

Es ist schon sehr auffällig, wenn sich beim Kirschlorbeer die Spitzen der Blätter verdrehen, bis hin zur starken Kräuselung und Deformation. Etwas später erscheinen zusätzlich zahlreiche Löcher und ein weißgrauer Belag auf den Blättern. Diese unansehnliche Erscheinung ist hierzulande weit verbreitet und kaum eine Kirschlorbeerpflanze, ob als Hecke oder Strauch, bleibt verschont.

Der Kirschlorbeer

Der Kirschlorbeer(Prunus laurocerasus), eigentlich sollte die Pflanze Lorbeerkirsche genannt werden, hat seinen Namen durch die Ähnlichkeit der Blätter mit dem Lorbeerbaum (Laurus nobilis), der bekannter Weise in der Küche als mediterranes Gewürz verwendet wird. Doch Vorsicht, eine Verwechselung hätte möglicherweise böse Folgen, denn der Kirschlorbeer hat den giftigen Inhaltsstoff der Blausäure in den Blättern und vor allem aber in den Kernen der sich bildenden Kirschen.

Als Heckenpflanze sehr beliebt

Das immergrüne Gehölz stammt aus dem südlichen Balkan und Kleinasien und hat bereits seit Jahren seinen Siegeszug in Gärten und Parkanlagen gehalten. Der Kirschlorbeer mit zahlreichen unterschiedlichen Sorten, ist eine der beliebtesten Heckenpflanzen. Kein Wunder, der robuste, immergrüne Strauch wächst zügig, bildet dichte Hecken, ist sehr schnittverträglich und kommt auch mit sommerlicher Trockenheit gut zurecht.

Die Sorte ist entscheidend

Aus der ursprünglichen Form des wilden Kirschlorbeer ist im Laufe der Zeit durch Selektion und Kreuzung eine große Sortenvielfalt entstanden. Die verschiedenen Züchtungen unterscheiden sich deutlich in Wuchshöhe und Habitus und auch ihr Laub ist sehr variabel – es gibt sehr großblättrige Sorten wie ‚Rotundifolia‘, aber auch Züchtungen mit kleinen schmalen Blättern wie ‚Otto Luyken‘ oder ‚Zabeliana‘.

Ein weiterer großer Unterschied besteht in der Winterhärte. Vor dem Kauf also sollte sich der Hobbygärtner eingehend beraten lassen, um Frostschäden zu vermeiden.

Schäden durch Mehltaupilze

Man muss nicht unbedingt ein Pflanzenspezialist sein, um an Kirschlorbeerhecken oder –sträuchern den auffälligen Schaden an den jüngsten Blättern zu entdecken. Der starke Befall des Kirschlorbeers durch den Echten Mehltaupilz ist auf den diesjährigen Witterungsverlauf zurückzuführen. Der Echte Mehltaupilz – auch „Schönwetterpilz“ – genannt, hatte ausreichende Sonnenscheindauer und Temperaturen über 23° C, um sich entsprechend stark zu entwickeln. Der Befall ist grundsätzlich auf den oberen Teil der jungen Triebe, also auf den noch nicht voll entwickelten Blättern beschränkt. Ältere, ausgereifte Blätter werden nicht befallen.

Es ist zu vermuten, dass der Echte Mehltau an Kirschlorbeer in den letzten Jahren aus den Mittelmeergebieten durch Touristik und Pflanzenhandel eingeschleppt wurde und hier aufgrund der Klimaveränderung entsprechende Voraussetzungen für eine Ausbreitung fand.

Gelegentlich tritt bei kühlerem Witterungsverlauf auch ein Befall durch den Falschen Mehltau auf, der sich durch einen gräulich-bläulichen Belag auf der Unterseite der Blätter unterscheidet. Die Unterscheidung beider pilzlichen Erreger ist schwierig und sollte dem Fachmann überlassen werden.

Die Schrotschusskrankheit

In vielen Fällen gesellt sich dazu noch eine zweite Schädigung durch einen Befall mit der so genannten Schrotschusskrankheit. In diesem Fall zeigen sich zuerst braune kreisrunde Flecken, die ungleichmäßig über das ganze Blatt verteilt sind. Im weiteren Verlauf der Infektion fällt das braune Blattgewebe aus den Flecken heraus und es entstehen kreisrunde, fast gleichmäßig geformte Löcher, die der Krankheit den Namen Schrotschusskrankheit gaben.

Im Gegensatz zum Mehltaupilz konnte sich die Schrotschusskrankheit in diesem Jahr nur Anfang des Jahres ausbreiten, weil die erforderliche permanente Feuchtigkeit auf den Blättern (Aprilwetter) im Frühjahr für günstige Infektionsbedingungen sorgte.

Eine chemische Bekämpfung ist nur selten sinnvoll

Eine direkte chemische Bekämpfung beider pilzlichen Erreger ist nicht effektiv und würde auch an den starken Symptomen keine Veränderungen hervorrufen. Außerdem sollte bei Hecken besondere Vorsicht geboten sein, denn zahlreiche Tiere, wie z.B. Vögel, halten sich im Schutz der Hecken auf.

Rückschnitt zur rechten Zeit

Eine absolut sichere und effektive Maßnahme die Pilzkrankheiten einzuschränken oder gar zu verhindern, ist der jährliche Rückschnitt, der Mitte Juli erfolgen sollte. Mit dieser Maßnahme werden nicht nur die erkrankten Triebe entfernt, sondern die Pflanze wird auch kompakt und gestärkt.

Auf eine Düngung von Kirschlorbeer sollte in den meisten Fällen verzichtet werden, denn eine übermäßig mit Nährstoffen und vor allem mit Stickstoff versorgte Kirschlorbeerpflanze ist besonders krankheitsanfällig.

Text und Bilder: Gartenbauexperte Franz Beckers

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