Yishai Sarid: Monster

Yishai Sarid wirft ein neues Licht auf die Erinnerungskultur an den Holocaust, wagt sich an vermeintlich unantastbare Fragen und stellt in stillem, unaufgeregtem Ton eingefahrene Denkmuster infrage. Der BRF-Buchtipp am 18. Februar.

Yishai Sarid: Monster (Cover: Kein&Aber Verlag)

Cover: Kein&Aber Verlag

Der Erzähler ist ein junger israelischer Holocaustgelehrter, der niemals beabsichtigt hatte, einer zu werden. Oder um israelische Gymnasiasten in die Nazi-Todeslager in Polen zu führen. Er liebte die Geschichte, wollte aber nur ein ruhiges Leben als Historiker führen und die Erforschung des Leidens seines eigenen Volkes vermeiden. Aus praktischen Erwägungen und der Notwendigkeit, seinen Lebensunterhalt zu verdienen – er war inzwischen junger Familienvater – veranlasste ihn, seine Doktorarbeit über die Vernichtungslager zu schreiben und zunächst als Tourguide zu arbeiten. Erst im Holocaust-Museum in Yad Vashem in Jerusalem und dann in den polnischen Lagern selbst. Er sah durch seine Arbeit die Möglichkeit, die Erinnerung an den Holocaust weiterzugeben, und glaubte, er sei immun gegen den damit verbundenen Stress. Aber die Erinnerung wurde zu einem Monster. Eines Tages streckt er im Lager Treblinka einen deutschen Dokumentarfilmer mit einem Faustschlag nieder.

Sarids Novelle ist ein Bericht des Erzählers an seinen Vorgesetzten in Jerusalem, in dem er versucht, den gewalttätigen und peinlichen Vorfall mit dem Regisseur zu erklären. Über den reinen Bericht hinaus beschreibt der namenlose Erzähler sich selbst, seine Lebensgeschichte und wie die Erinnerung zu einem Monster wird. Der bekannte israelische Autor berichtet auf eindrückliche Weise, wie Grausamkeiten uns auch dann in ihren Bann ziehen, wenn sie längst dem Reich der Erinnerung angehören. Dabei wagt er die Fragen: Worin besteht die Verbindung zwischen Juden damals und Israelis heute? Wo verläuft die Grenze zwischen aufrichtiger Erinnerungskultur und der Vereinhamung des Gedenkens für die eigenen Zwecke? Und wie werden Menschen zu Mördern?

Pressestimmen

„Yishai Sarid macht mit seinem kleinen, leisen Buch unmissverständlich klar: Es gibt Verdrängung, aber kein Ende der Erinnerung.“ Deutschlandfunk Kultur

„Sarid entriegelt in diesem Roman die Absperrungen und Begrenzungen, mit denen wir uns den Holocaust üblicherweise vom Leib halten. In der Gegenwart des Monsters Erinnerung gibt es keine Schonung. Das ist das Prinzip des Buches.“ Der Spiegel

„Ein Schlag in die Magengrube. Ein starkes Buch und ein absolutes Muss.“ IDF Radio

Autor

Yishai Sarid (Bild: Daniel Tchetchik)

Yishai Sarid (Bild: Daniel Tchetchik)

Yishai Sarid wurde 1965 in Tel Aviv geboren, wo er bis heute lebt. Nachdem er als Nachrichtenoffizier in der israelischen Armee tätig war, studierte er in Jerusalem und Harvard und arbeitete später als Staatsanwalt. Heute ist Yishai Sarid als Rechtsanwalt tätig, und er veröffentlicht Artikel in diversen Zeitungen. Sein 2010 erschienener Politthriller „Limassol“ wurde vom WDR als Hörspiel umgesetzt.

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Buchdetails

Yishai Sarid: Monster
Originaltitel: Mifletzet HaSikaron
aus dem Hebräischen von Ruth Achlama
176 Seiten – 21,00 €
ISBN 978-3-0369-5796-8
neu erschienen im Kein & Aber Verlag

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Buchtipp-Redakteurin: Biggi Müller

Biggi Müller

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