Lukas Hartmann: Der Sänger

Die wahre Geschichte hinter einer der schönsten Stimmen des 20. Jahrhunderts. Mit Liedern wie "Ein Lied geht um die Welt" oder "Dein ist mein ganzes Herz" feierte der Tenor Joseph Schmidt Welterfolge. Der BRF-Buchtipp am 20. Mai.

Lukas Hartmann: Der Sänger

Cover: Diogenes Verlag

Der Schweizer Schriftsteller Lukas Hartmann wird in diesem August 75 Jahre alt. Jedes seiner Bücher schaffte es auf die Bestseller-Listen. In seinem neuesten Roman geht es um den berühmten Tenor Joseph Schmidt, den leider die jüngere Generation gar nicht mehr kennt.

Die Geschichte des begnadeten Sängers, der im Alter von 38 Jahren wegen „Vernachlässigung“ in der Schweiz starb, hat Lukas Hartmann vor zehn Jahren so ergriffen, dass der Schriftsteller den Wunsch verspürte, Schmidt auf seiner Flucht zu begleiten. Damals waren viele Kunstschaffende vor den Nazis in die Schweiz geflohen, Schmidt zählte zu den berühmtesten. Durch die Recherchen ist ein fein nuancierter und bewegender Roman über Kultur und Barbarei entstanden.

Joseph Schmidt, Sohn orthodoxer Juden aus Czernowitz, hat es weit gebracht. 1942 aber gelten Kunst und Ruhm nichts mehr. Auf der Flucht vor den Nazis strandet der berühmte Tenor, krank und erschöpft, als einer unter Tausenden an der Schweizer Grenze.

Der begnadete Tenor, Liebling der Frauen, sitzt schwer krank im Wagen eines Schleppers, der ihn aus Vichy/Frankreich über die Schweizer Grenze bringen soll. Er hat Angst vor den Nazis, Angst um sein Leben und besonders Angst um seine Stimme, die ernsthaft angegriffen ist. Denn ihr verdankt er alles. Eine lange Odyssee über Wien, Brüssel, Südfrankreich liegt schon hinter ihm. In der freien demokratischen Schweiz soll die Flucht ein gutes Ende finden.

Stimmen zum Buch

„Lukas Hartmann bringt uns auf dieser Zeitreise nicht nur den unvergesslichen Sänger, sondern auch die Atmosphäre im Zürich der 1940er Jahre nah.“ Coop-Zeitung

„Das Fazit des Buchs ist… eindeutig: Das geschundene Individuum hat Vorrang, ein tragisches Einzelschicksal lässt sich nicht mit dem Verweis auf die Staatsräson entschuldigen.“ Berner Zeitung

„Auch wenn Hartmann nüchtern in der dritten Person schreibt, ist er doch immer wieder ganz nah bei seiner Titelfigur. Aber dann bricht er diese Perspektive immer wieder, schildert Schweizer, die für eine humanere Flüchtlingspolitik eintreten und damit anecken.“ Berliner Morgenpost

Joseph Schmidt

Joseph Schmidt (*4. März 1904) gehörte zu den bekanntesten Sängern in Deutschland. Er war weltweit erfolgreich und nahm zahlreiche Schallplatten auf. Zwischen 1929 und 1933 sang er am Berliner Rundfunk in 38 Rundfunkopern.

Aufgrund seiner geringen Körpergröße von nur 1,54 Meter blieb ihm eine Karriere auf der Opernbühne verwehrt. Trotzdem konnte er ab Januar 1939 in Brüssel die Rolle des Rudolf in „La Bohème“ verkörpern, es folgte eine Tournee über Lüttich, Gent, Antwerpen, Brügge, Kortrijk, Ostende, Verviers und Helsinki. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten wurde ihm der Zugang zum Funkhaus verwehrt.

Nach der Premiere seines Films „Ein Lied geht um die Welt“ am 9. Mai 1933 emigrierte er im Dezember zunächst nach Wien. Er gastierte 1934 in Palästina und debütierte im März 1937 als Tenor in der New Yorker Carnegie Hall. 1938 führte ihn seine Flucht vom inzwischen annektierten Österreich nach Belgien, von dort nach Frankreich, wo er zwangsinterniert wurde. Im Oktober 1942 gelang ihm nach mehreren missglückten Versuchen die Flucht in die Schweiz. Er kam in ein Auffanglager zur Klärung seines Falles. Schon nach kurzer Zeit erkrankte er an einer Halsentzündung. Zwar behandelte man dort die Halsbeschwerden, seinem Hinweis auf starke Schmerzen in der Herzgegend wollte man jedoch nicht nachgehen und verweigerte eine weitere Untersuchung.

Nur zwei Tage später starb der berühmte Sänger in einem Restaurant. Die Wirtin hatte seinen angeschlagenen Gesundheitszustand erkannt und ihm ermöglicht, in ihrem Wohnzimmer auf dem Sofa zu ruhen. Als sie später nach ihm sah, bemerkte sie, dass er nicht mehr atmete. Er war an Herzversagen gestorben. Einen Tag nach seinem Tod lag seine Arbeitserlaubnis vor und er wäre frei gewesen. (Quelle: Wikipedia)

Autor

Lukas Hartmann (Bild: Bernard van Dierendonck)

Lukas Hartmann (Bild: Bernard van Dierendonck)

Lukas Hartmann, geboren 1944 in Bern, studierte Germanistik und Psychologie. Er war Lehrer, Journalist und Medienberater. Heute lebt er als freier Schriftsteller in Spiegel bei Bern und schreibt Bücher für Erwachsene und für Kinder.

Er ist einer der bekanntesten Autoren der Schweiz und steht mit seinen Romanen, zuletzt „Ein Bild von Lydia“, regelmäßig auf der Bestsellerliste.

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Buchdetails

Lukas Hartmann: Der Sänger
288 Seiten – 22,00 Euro
ISBN 978-3-257-07052-1
neu erschienen im Diogenes Verlag

Alle Bücher unseres BRF1-Buchtipps sind bei Logos und Thiemann erhältlich.
Buchtipp-Redakteurin: Biggi Müller

Biggi Müller

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