Dagmar von Gersdorff: Vaters Tochter

Vom Vater geliebt, von der Mutter ungewollt: Martha Fontane war eine zerrissene Persönlichkeit, deren Leben von Dagmar von Gersdorff mitreißend erzählt wird. Der BRF-Buchtipp am 30. Dezember.

Dagmar von Gersdorff: Vaters Tochter (Insel Verlag)

Dagmar von Gersdorff: Vaters Tochter (Insel Verlag)

Die Trierer Literaturwissenschaftlerin und Biographin Dagmar von Gersdorff ist bekannt für ihre Biografien. Dafür wurde sie mehrfach ausgezeichnet. Jetzt ist ihr neues Buch über die Beziehung von Theodor Fontane und seiner Tochter Martha erschienen. Der Titel lautet: „Vaters Tochter“.

Dass wir diese Geschichte ausgerechnet heute vorstellen, hat seinen Grund: Die Literaturwelt feiert heute (30.12.19) den 200. Geburtstag von Theodor Fontane, dessen Romane wie „Effi Briest“ oder Gedichte wie „Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland“ auch im Deutschunterricht Einzug hielten.

Martha Fontane, genannt Mete, war das Lieblingskind des Schriftstellers: intelligent, geistreich, eine glänzende Briefschreiberin. Die kluge Tochter war die Vertraute des Vaters, seine Meerfee, Muse und Scheherazade. Ihr Wesen und ihr Schicksal spiegelte er in Romanen wie Effi Briest, Frau Jenny Treibel und in Figuren wie der Melusine im Stechlin. Die Heiratsabsichten der Zwanzigjährigen erfüllten sich nicht, denn ohne Mitgift war die begabte und ’selberdenkende‘ Tochter aus gutem Hause wenig begehrenswert.

Sie erlernte den einzigen Beruf, der Frauen zur Verfügung stand, und ging als Erzieherin zu einer adligen Familie aufs Land, kehrte jedoch bald ins Elternhaus zurück und stand dem alternden Vater zur Seite. Doch Metes Verhältnis zur Mutter war gespannt, ihre ‚Nervosität‘ und Anfälligkeit nahmen zu; und Fontane beklagte einerseits, daß Mete ihm auf der Tasche lag, gleichzeitig fiel es ihm immer schwerer, sie gehen zu lassen. Er starb vier Tage nach ihrer Verlobung mit einem älteren Witwer. Ob sie in der Ehe ihr Glück fand, ist fraglich. Mete starb 1917 mit sechsundfünzig Jahren nach einem Sturz vom Balkon ihrer Hauses.

Zum 200. Geburtstag von Theodor Fontane am 30. Dezember erzählt die Erfolgsschriftstellerin Dagmar von Gersdorff mitreißend von einer vielschichtigen, widersprüchlichen Vater-Tochter-Beziehung – und von einer Frau, die in Depressionen und Krankheiten flüchtete, weil sie keine Möglichkeit hatte, ihre reichen Begabungen und Talente anzuwenden.

Autorin

Dagmar von Gersdorff (Bild: Insel Verlag)

Dagmar von Gersdorff (Bild: Insel Verlag)

Dagmar von Gersdorff, geb. von Forell, stammt aus Trier. Sie lebt heute als Literaturwissenschaftlerin und Biographin in Berlin. Verheiratet, drei Kinder. Studium der Germanistik und Kunstgeschichte an der Freien Universität Berlin. Ihre Promotion schrieb sie über den Einfluß der deutschen Romantik auf Thomas Mann. Für die Staatlichen Museen Preußischer Kulturbesitz verfaßte sie drei Text-Bild-Bände. Bekannt wurde sie durch ihre Biographien über bedeutende literarische und historische Persönlichkeiten: Marie Luise Kaschnitz, Bettina und Achim von Arnim, Goethes Mutter, Caroline von Günderrode, Goethes Enkel, Prinz Wilhelm von Preußen und Elisa Radziwill, Caroline von Humboldt. Ihr Werk wurde mit verschiedenen Preisen ausgezeichnet. Sie ist Mitglied des Verbandes deutscher Schriftstellerinnen und Schriftsteller sowie Mitglied des internationalen PEN.

Buchdetails

Dagmar von Gersdorff: Vaters Tochter – Theodor Fontane und seine Tochter Mete
197 Seiten – 18,00 €
mit zahlreichen Fotos
ISBN 978-3-458-36430-6
Neu erschienen im Insel Verlag

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Buchtipp-Redakteurin: Biggi Müller

Biggi Müller

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