Peter Handke: Das zweite Schwert. Eine Maigeschichte

Das erste Buch nach der Verleihung des Literaturnobelpreises ist eine Abrechnung. Aber auch, wenn der Roman autobiografische Züge hat, ist er doch keine Rache an seinen Kritikern. Der BRF-Buchtipp am 25. Mai.

Peter Handke: Das zweite Schwert. Eine Maigeschichte (Buchcover: Suhrkamp Verlag)

Buchcover: Suhrkamp Verlag

In unserem aktuellen Buchtipp geht es um ein „Enfant terrible“ der Literaturszene, den österreichischen Schriftsteller Peter Handke. Es ist unter anderem seine proserbische Haltung, die dem 77-Jährigen immer wieder Kritik einbringt. Auch der Höhepunkt seiner literarischen Laufbahn, die Verleihung des Literaturnobelpreises im vergangenen Jahr, war von Protesten begleitet. Mit Spannung wurde das erste Buch von Peter Handke nach der Nobelpreisverleihung erwartet. Es heißt „Das zweite Schwert“ und ist ein Buch über Rache. Keinesfalls aber soll es als Rache an seinen Kritikern verstanden werden, deshalb heißt es im Untertitel „eine Maigeschichte“. Maigeschichte auch deshalb, weil der Autor klarstellt, dass er daran im April und Mai 2019 geschrieben hat, also vor der Preisvergabe an ihn.

Zurückgekehrt nach jahrelangem Unterwegssein in die Gegend südwestlich von Paris, drängt es den Helden drei Tage später bereits zu einem erneuten Aufbruch. Im Gegensatz zu vorangegangenen Welterkundungen verfolgt er diesmal ein unumstößliches Ziel: Rache! Rache warum? Für die Mutter, die in einem Zeitungsartikel denunziert worden war, dem Anschluss ihres Landes an Deutschland zugejubelt zu haben. Rache an wem? Eine Journalistin, der Urheberin dieser wahrheitswidrigen Behauptungen, die in der Nähe von Paris wohnte. Der Rachefeldzug mündet in ein Fest, eine bewusste Entscheidung des Erzählers Peter Handke: In die geschriebene Geschichte erhält nur Zutritt, was in der Realgeschichte Bestand hat. Und umgekehrt.

„Das zweite Schwert“ von Literatur-Nobelpreisträger Peter Handke lässt viele autobiografische Züge erkennen und zeigt einmal mehr, dass der Preis trotz aller Kritik an ihm gerechtfertigt ist.

Stimmen zum Buch

„Das zweite Schwert ist nicht aus Stahl, sondern das Erzählen selbst. Eine fromme Legende? Mag sein. Aber ein Sieg der Literatur.“ Lothar Müller, Süddeutsche Zeitung

„Dieses Buch ist die perfide Rache Handkes an seinen Kritikern, so will und muss man es heute vielleicht lesen – und zugleich ein Fest für seine Bewunderer. Ein zweischneidiges Schwert.“ Philipp Haibach, Die literarische Welt

„Peter Handkes neues Buch zeigt ihn als Giganten der Beschreibungskunst. … [Er schafft] eine Art von Dichtung, die keinem raschen Verfallsdatum unterliegt und noch in 100 Jahren bei Lesern für Begeisterung sorgen dürfte.“ Ulf Heise, MDR

Autor

Peter Handke Autorenbild: Donata Wenders)

Autorenbild: Donata Wenders

Peter Handke wird am 6. Dezember 1942 in Griffen (Kärnten) geboren. Die Familie mütterlicherseits gehört zur slowenischen Minderheit in Österreich; der Vater, ein Deutscher, war in Folge des Zweiten Weltkriegs nach Kärnten gekommen. Zwischen 1954 und 1959 besucht Handke das Gymnasium in Tanzenberg (Kärnten) und das dazugehörige Internat. Nach dem Abitur im Jahr 1961 studiert er in Graz Jura. Im März 1966, Peter Handke hat sein Studium vor der letzten und abschließenden Prüfung abgebrochen, erscheint sein erster Roman Die Hornissen. Im selben Jahr 1966 erfolgt die Inszenierung seines inzwischen legendären Theaterstücks Publikumsbeschimpfung in Frankfurt am Main in der Regie von Claus Peymann.

Seitdem hat er mehr als dreißig Erzählungen und Prosawerke verfasst, erinnert sei an: Die Angst des Tormanns beim Elfmeter (1970), Wunschloses Unglück (1972), Der kurze Brief zum langen Abschied (1972), Die linkshändige Frau (1976), Das Gewicht der Welt (1977), Langsame Heimkehr (1979), Die Lehre der Sainte-Victoire (1980), Der Chinese des Schmerzes (1983), Die Wiederholung (1986), Versuch über die Müdigkeit (1989), Versuch über die Jukebox (1990), Versuch über den geglückten Tag (1991), Mein Jahr in der Niemandsbucht (1994), Der Bildverlust (2002), Die Morawische Nacht (2008), Der Große Fall (2011), Versuch über den Stillen Ort (2012), Versuch über den Pilznarren (2013).

Auf die Publikumsbeschimpfung 1966 folgt 1968, ebenfalls in Frankfurt am Main uraufgeführt, Kaspar. Von hier spannt sich der Bogen weiter über Der Ritt über den Bodensee 1971), Die Unvernünftigen sterben aus (1974), Über die Dörfer (1981), Das Spiel vom Fragen oder Die Reise zum sonoren Land (1990), Die Stunde da wir nichts voneinander wussten (1992), über den Untertagblues (2004) und Bis dass der Tag euch scheidet (2009) über das dramatische Epos Immer noch Sturm (2011) bis zum Sommerdialog Die schönen Tage von Aranjuez (2012) zu Die Unschuldigen, ich und die Unbekannte am Rand der Landstraße (2016).

Darüber hinaus ist Peter Handke auch als Übersetzer aus dem Griechischen, Französischen und Amerikanischen tätig. Sein Werk wurde mit zahlreichen internationalen Preisen ausgezeichnet. 2019 erhielt er den Literaturnobelpreis. Mehr Infos auf der Autorenseite.

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Buchdetails

Peter Handke: Das zweite Schwert. Eine Maigeschichte
160 Seiten – 20,00 €
ISBN 978-3-518-42940-2
neu erschienen im Suhrkamp Verlag

Alle Bücher unseres BRF1-Buchtipps sind bei Logos und Thiemann erhältlich.
Buchtipp-Redakteurin: Biggi Müller

Biggi Müller

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