Alena Schröder: Junge Frau, am Fenster stehend, Abendlicht, blaues Kleid

Alena Schröder verknüpft geschickt das historisch einzigartige Drama um den jüdischen Kunstraub mit dem zeitlosen Mutter-Tochter-Konflikt und der höchst aktuellen Frage der Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Der BRF-Buchtipp am 22. Februar.

Der Buchtipp auf BRF1: "Junge Frau, am Fenster stehend, Abendlicht, blaues Kleid" von Alena Schröder (dtv Verlag)

Der Buchtipp auf BRF1: "Junge Frau, am Fenster stehend, Abendlicht, blaues Kleid" von Alena Schröder (dtv Verlag)

In unserem Buchtipp geht es heute um den Debütroman der deutschen Autorin Alena Schröder. Sie erzählt in ihrem packenden Familienroman von jüdischer Raubkunst und einer Familie mit vielen Geheimnissen. Der Titel des Romans ist verschlungen und rätselhaft. Neugierig macht er in jedem Fall: „Junge Frau, am Fenster stehend, Abendlicht, blaues Kleid“. Das klingt wie eine vage Bildbeschreibung und tatsächlich spielt ein Gemälde des niederländischen Malers Jan Vermeer eine zentrale Rolle in Alena Schröders wunderbarem Familienroman. Das Verschwinden des Gemäldes und die Suche danach stehen stellvertretend für eines der großen Verbrechen des Nationalsozialismus: Juden wurden systematisch ihrer Kunstschätze beraubt, ihre Werke eingezogen, verkauft und in alle Winde zerstreut. Die Wunde ist bis heute nicht verheilt….

Die ahnungslose Doktorandin Hannah erfährt durch den Brief einer Anwaltskanzlei, dass ihre betagte Großmutter Evelyn Erbin eines jüdischen Kunstschatzes ist. Es handelt sich um das von den Nazis konfiszierte Vermögen eines Berliner Kunsthauses, dessen Besitzer deportiert und ermordet wurden. Die Großmutter scheint die letzte Überlebende der Familie zu sein. Leider ist sie jedoch keineswegs entzückt darüber, ganz im Gegenteil: Sie weigert sich beharrlich, ihrer neugierigen Enkelin die mit dem Erbe verbundenen Familiengeheimnisse zu enthüllen. Schließlich hat sie diese sehr erfolgreich über Jahrzehnte verborgen. Am Ende begibt sich Hannah selbst auf Recherche, eskortiert von einem übereifrigen, aber sehr effizienten jungen Wissenschaftler. Die Spur führt zurück in die 20er Jahre, als Hannahs Urgroßmutter Senta von einem eigenständigen emanzipierten Leben in Berlin träumt.

Eines Tages bricht sie aus ihrem Korsett als in der Provinz verkümmernde Ehefrau und Mutter aus. Sie trennt sich von ihrem Mann, lässt ihre Tochter Evelyn bei der ungeliebten Schwägerin zurück und stürzt sich in das aufregende Leben in der Metropole. Während sie sich von ihrer Tochter immer mehr entfremdet, knüpft sie wertvolle Kontakte: Sie lernt den Reporter Julius Goldmann kennen, Sohn eines bekannten jüdischen Kunsthändlers, und beginnt mit ihm ein neues Leben als Journalistin. Alles ist gut, bis die Nazis die Macht übernehmen und der jüdischen Familie langsam die Luft abschnüren.

„Junge Frau, am Fenster stehend, Abendlicht, blaues Kleid“ – der Debütroman von Alena Schröder ist inspiriert von ihrer realen Urgroßmutter Senta und steht seit seinem Erscheinen weit oben auf der Spiegel-Bestsellerliste.

Pressestimmen

„Präzise beschreibt Schröder Orte, Blicke, Gespräche. Wir sind dabei, spüren die Zerrissenheit dieser vielen komplexen Frauenfiguren, ihre Konflikte, ihre Last. Ein tolles, versöhnliches, atmosphärisch dichtes Buch.“ NDR Kultur

„Was für ein Erbe: Alena Schröder erzählt in ihrem Debütroman über eine Familie mit vielen Geheimnissen von einem verschwundenen Vermeer, der auf Raubkunst-Listen als ‚Junge Frau…‘ geführt wird, und von jungen Frauen, die als Mutter nicht glücklich werden können – über vier Generationen hinweg! Elektrisierend wie ‚Babylon Berlin‘ und ehrlich wie ‚Regretting Motherhood‘.“ Brigitte

„Alena Schröder widmet sich dem Vermächtnis ihrer Familie, das weit mehr umfasst als ein verschollenes Gemälde. Das Erbe besteht auch aus Gefühlen, Verhaltensmustern, Entscheidungswegen. Nimm mich zur Hand, sagt dieses Buch. Und wie gesagt: Das sollte man tun.“ taz

Autorin

Alena Schröder (Bild: Gerald v. Foris)

Alena Schröder (Bild: Gerald v. Foris)

Alena Schröder, geboren 1979, arbeitet als freie Journalistin und Autorin in Berlin. Sie hat Geschichte, Politikwissenschaft und Lateinamerikanistik in Berlin und San Diego studiert und die Henri-Nannen-Schule besucht. Nach einigen Jahren als Redakteurin in der „Brigitte“-Redaktion arbeitet sie heute frei u.a. für die „Brigitte“, das „SZ-Magazin“ und „DIE ZEIT“. Sie ist Autorin mehrerer Sachbücher sowie fiktionaler Bücher.

Gewinnspiel

BRF1 verlost zwei Bücher online. Gewinnfrage: Wie alt ist die Großmutter?

Antwort: 94 Jahre

Gewinner sind Edith aus Honsfeld und Ricarda aus St. Vith.

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Buchdetails

Alena Schröder: Junge Frau, am Fenster stehend, Abendlicht, blaues Kleid
368 Seiten – 22,00 Euro
ISBN 978-3-423-28273-4
neu erschienen im dtv Verlag

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Buchtipp-Redakteurin: Biggi Müller

Biggi Müller