Julian Barnes: Der Lärm der Zeit

Wer den Künstler und Menschen Schostakowitsch kennenlernen möchte, sollte unbedingt zu diesem Buch von Julian Barnes greifen. Aktuell auf Platz fünf der Spiegel-Bestsellerliste. Der BRF-Buchtipp am 3. April.

Julian Barnes: Der Lärm der ZeitMit 17 oder 18 Jahren hat sich der britische Autor Julian Barnes die erste Platte von Schostakowitsch gekauft – natürlich die 5. Sinfonie. Seitdem hat Barnes dessen Musik geliebt. Jetzt, fast 65 Jahre später, legt der preisgekrönte Autor seinen neuesten Roman vor: Protagonist ist der russische Komponist Dmitri Dmitrijewitsch Schostakowitsch.

Im Mai 1937 wartet ein Mann jede Nacht neben dem Fahrstuhl seiner Leningrader Wohnung darauf, dass Stalins Schergen kommen und ihn abholen. Der Mann ist der Komponist Schostakowitsch und er wartet am Lift, um seiner Familie den Anblick der Verhaftung zu ersparen.

Schostakowitsch ist ein zum Abschuss freigegebener Mann, denn Stalin, der sich für seine Musik zu interessieren scheint, hatte während der Aufführung der Oper „Lady Macbeth von Mzensk“ die Vorstellung verlassen. Nur durch Glück entgeht Schostakowitsch der „Säuberung“, doch er kann fortan keine Entscheidung mehr selbständig treffen. In welchem Verhältnis stehen Kunst und Unterdrückung? Und ist es verwerflich, sich der Macht zu beugen, um künstlerisch arbeiten zu können?

Im neuen Roman von Julian Barnes wird das von Repressionen geprägte Leben von Schostakowitsch in meisterhafter Knappheit dargestellt – ein großartiger Künstlerroman, der die Frage der Integrität stellt und traurige Aktualität genießt.

„Ein großartiger Roman, Barnes’ Meisterstück. Wie in ‚Vom Ende einer Geschichte‘ erzählt er ein ganzes Leben in einem schmalen Buch.“ – The Guardian

„Mit diesem Schostakowitsch gelingt Barnes eine großartige Figur, die eine ganz eigenständige Qualität gewinnt, die hinausweist aus der Vergangenheit auf unsere aktuellen Zwangslagen, Zerrissenheiten, Verlogenheiten, nicht nur der Künstler.“ – mdr Kultur

Autor

Julian BarnesJulian Barnes, geboren 1946 in Leicester, England, ist einer der wichtigsten zeitgenössischen britischen Autoren. Schon 1980 veröffentlichte Julian Barnes mit „Metroland“ seinen ersten Roman. Der Roman ist in drei Teile gegliedert, ein wiederkehrendes Strukturelement in Barnes‘ Werken.

Mit „Flauberts Papagei“, seinem dritten Roman, gelang Barnes 1984 der internationale Durchbruch, mit diesem Titel stand er zum ersten Mal auf der Shortlist des Man Booker Prize, den er 2011 für „Vom Ende einer Geschicht“ erhielt.

Neben seinen Romanen verfasste Barnes zahlreiche Essays und Kurzgeschichten, unter dem Pseudonym Dan Kavanagh veröffentlichte er eine Reihe von Kriminalromanen.

1979 heiratete Barnes seine Agentin Patricia Olive Kavanagh, die 2008 den Folgen eines Gehirntumors erlag. Julian Barnes setzt sich mit dem plötzlichen Tod seiner Frau in seinem Buch „Lebensstufen“ auseinander. Er widmet ihr den Großteil seiner Werke, so auch den vorliegenden Roman. Julian Barnes lebt und arbeitet in London.

Gewinnspiel (BRF1 verlost zwei Exemplare):

Frage: Wer hatte den Vater gesegnet?
Lösung: der Dorfpope

Gewinnerinnen sind Marliese Hermanns aus Kettenis und Elfriede Lenz aus Spa.

Buchdetails

Julian Barnes: Der Lärm der Zeit
Originaltitel: The Noise of Time
aus dem Englischen von Gertrauds Krueger
256 Seiten, 20 Euro
neu erschienen im Kiepenheuer & Witsch Verlag
ISBN 978-3-7466-3302-2

Alle Bücher unseres BRF1-Buchtipps sind bei Logos und Thiemann erhältlich.
Buchtipp-Redakteurin: Biggi Müller

Biggi Müller - Cover: Kiepenheuer & Witsch Verlag, Autorenfoto: Alan Edwards/2images

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