Kazuo Ishiguro: Was vom Tage übrig blieb

Das kritische Porträt einer von Klasse und Hierarchien geprägten Gesellschaft und eine bittersüße Liebesgeschichte. Der BRF-Buchtipp am 22. Januar.

Was vom Tage uebrig blieb von Kazuo Ishiguro

Hörbuchcover: Random House Audio Verlag

Der britische Schriftsteller Kazuo Ishiguro erhielt im vergangenen Jahr den Literatur-Nobelpreis. Der Autor mit japanischen Wurzeln ist vor allem wegen seines Romans „Was vom Tage übrig blieb“ aus dem Jahr 1989 bekannt. Vielleicht haben Sie ja auch die großartige Verfilmung mit Anthony Hopkins und Emma Thompson in den Hauptrollen gesehen. Jetzt, fast 20 Jahre nach seinem Erscheinen gibt es den preisgekrönten Roman zum ersten Mal als ungekürztes Hörbuch, meisterlich gelesen von Gert Heidenreich.

Seit Jahrzehnten dient Stevens als Butler auf Darlington Hall. Er sorgt für einen tadellosen Haushalt und ist die Verschwiegenheit in Person: Er hat sein Leben voll und ganz in den Dienst seines Herrn gestellt, niemals würde er auch nur ein Wort über die merkwürdigen Vorgänge im Herrenhaus verlieren. Auch nach dem Tod seines Dienstherrn ist Stevens geblieben, als würde er zum Inventar gehören. Als Mr. Farraday, der neue Besitzer des Herrensitzes, für einige Zeit in die USA reist, bietet er Stevens für die Zeit seinen Wagen an, damit dieser seine Heimat etwas besser kennenlernen kann.

Zum ersten Mal bricht Stevens aus seiner gewohnten Welt aus, um seine ehemalige Kollegin, Miss Kenton, in Cornwall zu besuchen. Diese hatte seinerzeit Darlington Hall verlassen, als ihr klar wurde, dass ihre zarte Liebe zu Stevens nie erwidert werden würde. Auch Stevens hegt unterdrückte Gefühle für Miss Kenton, die inzwischen verheiratet ist. Wegen der derzeitigen Personalknappheit auf Darlington Hall will er sie dazu bewegen, zurückzukehren. Die Fahrt wird für Stevens zu einer Reise in die Vergangenheit und schließlich auch zu einer Reise zu sich selbst.

„Was vom Tag übrig blieb“ ist auch eine Begegnung mit einem hochpolitischen Thema: Großbritanniens sogenannte Appeasement-Politik gegenüber dem Dritten Reich. Das kritische Porträt einer von Klasse und Hierarchien geprägten Gesellschaft und eine bittersüße Liebesgeschichte, erzählt von einem, der seinen Stand nie hinterfragt und der nie auch nur geahnt hat, dass er liebte.

Stimmen zum Buch

„Ganz gleich, welches literarische Gewand und welche historische Epoche Kazuo Ishiguro auch wählt, die Romane dieses Schriftstellers berühren unsere Zeit in ihrem Innersten.“ Frankfurter Allgemeine Zeitung

Autor

Kazuo Ishiguro, 1954 in Nagasaki geboren, kam 1960 nach London, wo er später Englisch und Philosophie studierte. 1989 erhielt er für seinen Weltbestseller „Was vom Tage übrigblieb“, der von James Ivory verfilmt wurde, den Booker Prize. Kazuo Ishiguros Werk wurde bisher in 50 Sprachen übersetzt. Er erhielt 2017 den Nobelpreis für Literatur. Der Autor lebt in London.

Gert Heidenreich, geboren 1944, ist freier Schriftsteller und Sprecher. Sein Werk umfasst Romane, Theaterstücke, Essays und Lyrikbände sowie Übersetzungen englischer und amerikanischer Dramen. Er wurde mit zahlreichen Preisen geehrt, darunter zwei Adolf-Grimme-Preise und der Deutsche Hörbuchpreis.

Gewinnspiel

BRF1.be verlost zwei Hörbücher.

Frage: Worauf setzt sich der Dienstherr?

Lösung: Chaiselongue

Gewinner sind Heike Fricke aus Speicher und Helga Hilgers aus Nidrum.

Buchdetails

Kazuo Ishiguro

Autorenfoto (c) Jeff Cottenden

Kazuo Ishiguro: Was vom Tage übrig blieb
Originaltitel: The Remains of the Day
aus dem Englischen von Hermann Stiehl
8 CDs / ca. 10 Stunden (ungekürzt), 20,00 Euro
ISBN 978-3-8371-4241-9
erschienen im Random House Audio Verlag

Alle Bücher unseres BRF1-Buchtipps sind bei Logos und Thiemann erhältlich.
Buchtipp-Redakteurin: Biggi Müller

Biggi Müller

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