Joseph Andras: Die Wunden unserer Brüder

Eine hochpolitische Geschichte, die einem zu Unrecht verurteilten Mann durch die Literatur sein Leben zurückgibt. Der BRF-Buchtipp am 29. Januar.

Joseph Andras: Die Wunden unserer Brüder (Cover: Hanser Verlag)

Cover: Hanser Verlag

Fernand Iveton ist dreißig, als er am 14. November 1956 für die algerische Unabhängigkeitsbewegung FLN eine Bombe legt. Der Algerienfranzose und Kommunist will nicht mehr nur reden, sondern im Kampf für die Freiheit seines Landes ein klares Zeichen setzen. Um keine Opfer zu riskieren, deponiert Iveton den Sprengsatz in einem Gebäude einer Gasfabrik in Algier, seinem Arbeitsplatz. Er wusste genau, wann das Gebäude verlassen sein wird, damit niemand zu Schaden kam. Doch noch vor der Detonation wird er verhaftet. Die Anwälte hoffen auf eine Gefängnisstrafe. Nach tagelanger Folter fällt vor einem Militärgericht das Todesurteil, eine in jeder Hinsicht maßlose Strafe. Nur drei Monate später, am 11. Februar 1957, wird Iveton unter dem damaligen Justizminister François Mitterand durch die Guillotine hingerichtet.

Joseph Andras erzählt Ivetons Verhaftung und Prozess in schnellen, scharf geschnittenen Bildern. Dazwischen entfaltet er in Rückblenden dessen private Geschichte – die Kindheit in einem arabischen, fast dörflichen Viertel von Algier, das Leben als Fabrikarbeiter mit kommunistischen Überzeugungen, den der Tod des besten Freundes zum politischen Handeln treibt, die große Liebe zu seiner Frau Hélène. All das verschmilzt zu einem dichten, zutiefst menschlichen Roman, der ein neues Licht auf Frankreichs Kolonialgeschichte und die Hintergründe vieler heutiger politischer Entwicklungen wirft.

Stimmen zum Buch

„Der Algerienkrieg ist mit Joseph Andras´ Roman über die Verhaftung und Hinrichtung Fernand Ivetons in der Literatur angekommen … Claudia Hamm hat diesen gekonnt übersetzt und mit einem nützlichen historischen Glossar versehen.“ Süddeutsche Zeitung

„‚Die Wunden unserer Brüder‘ ist nicht nur ein politisch wichtiges Buch, sondern auch sehr feine Literatur … Ein kleines, wichtiges, starkes Buch.“ DLF Kultur

„Ein kurzes Kapitel aus der französischen Kolonialherrschaft in Algerien … das in der Strenge der Erzählung unter die Haut geht.“ Frankfurter Rundschau

Autor

Joseph Andras (Bild: Rezvan S.)

Joseph Andras (Bild: Rezvan S.)

Joseph Andras wurde 1984 geboren. Er lebt zurückgezogen in der Normandie. Nicht sicher ist, ob es sein richtiger Name ist oder ein Pseudonym. Für sein Debüt „Die Wunden unserer Brüder“ wurde er noch vor der Veröffentlichung mit dem Prix Goncourt ausgezeichnet, dem bedeutendsten Literaturpreis Frankreichs, den er jedoch abgelehnt hat.

Gewinnspiel

BRF1.be verlost zwei Bücher.

Frage: Wann fand der algerische Unabhängigkeitskrieg statt (Jahreszahlen)?
Lösung: 1954 bis 1962

Die Gewinner sind Marliese Hermanns aus Kettenis und Claudia Sarlette aus Maldingen.

Buchdetails

Joseph Andras: Die Wunden unserer Brüder
Originaltitel: De nos frères blessés
aus dem Französischen von Claudia Hamm
160 Seiten, 18,00 Euro
ISBN 978-446-25641-5
erschienen im Hanser Verlag

Alle Bücher unseres BRF1-Buchtipps sind bei Logos und Thiemann erhältlich.
Buchtipp-Redakteurin: Biggi Müller

Biggi Müller

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