Sommerlektüre #8

Das Buch, das Judith Peters für den Urlaub empfiehlt, ist "Die Hochzeit der Chani Kaufman" von Eve Harris. Es ist 2015 im Diogenes-Verlag erschienen. Das Buch dreht um das Leben in einer jüdisch-orthodoxen Gemeinde.

Sommerbuchtipp von Judith Peters: "Die Hochzeit der Chani Kaufman", der erste Roman von Eve Harris (Diogenes)

Sommerbuchtipp von Judith Peters: "Die Hochzeit der Chani Kaufman", der erste Roman von Eve Harris (Diogenes)

Die Handlung spielt hauptsächlich in London, aber es gibt auch Rückblicke, die nach Jerusalem führen. Das Buch erzählt die Geschichte von zwei Paaren. Chani und Baruch haben sich erst dreimal gesehen, sie sollen aber heiraten. Die Hochzeit ist arrangiert und die Familien der beiden erwarten, dass die jungen Leute nach streng religiösen jüdisch-orthodoxen Maßstäben leben. Rabbi und Rebbetzin Zilberman haben sich kennen und lieben gelernt, als sie noch Turnschuhe und bunte Kleidung trugen. Mit und mit aber wird ihre Welt geregelter, strenger, und die Rebbetzin spürt, wie sie sich innerlich dagegen aufzulehnen beginnt.

Es ist nicht leicht für Außenstehende, sich in dem jüdischen Milieu zurechtzufinden. Der Roman ist mit vielen jüdischen Wörtern und Begriffen gespickt, im hinteren Teil des Buchs gibt es aber ein Verzeichnis mit Erklärungen. Die sind wichtig, wenn man die Dialoge richtig verstehen will. Wenn zum Beispiel vom „Scheitel“ die Rede ist, muss man wissen, dass das der jüdische Begriff für die Perücke ist, die eine verheiratete Frau trägt. Das Suchen nach den Übersetzungen und Erklärungen stört zwar den Lesefluss etwas – vor allem am Anfang – aber die Geschichte ist so anrührend und fesselnd erzählt, dass das irgendwann nicht mehr irritiert.

Dann wird diese fremde Welt sehr faszinierend, was auch an der Erzählweise liegt. Eve Harris bringt den Leser sehr nah an die persönlichen Schicksale der Protagonisten heran. Man leidet zum Beispiel mit Chani, wenn sie nachts wach liegt, weil sie sich mit Fragen quält, wie wohl ihr künftiges Leben als verheiratete Frau aussehen wird. Oder mit der Rebbetzin, als ihr Mann ihr verbietet, das glänzende grüne Fahrrad mit Weidekorb am Lenker zu fahren, um Krankenbesuche zu machen – nur weil es sich für die Frau eines Rabbiners nicht schickt, Rad zu fahren.

Alle einzelnen Geschichten, die natürlich irgendwann ineinander greifen und miteinander zu tun haben, berühren, sie sind auch durchaus witzig erzählt. Fazit: „Die Hochzeit der Chani Kaufman“ von Eve Harris ist ein sehr unterhaltsamer und faszinierender Roman.

Buchdetails

Die Hochzeit der Chani Kaufman
Original-Titel „The Marrying of Chani Kaufman“
Eve Harris
453 Seiten, 13 Euro
Diogenes-Verlag

Autorin Eve Harris (Bild: Karolina Urbaniak)

Autorin Eve Harris (Bild: Karolina Urbaniak)

Judith Peters