Das kleine 1×1 der Heilpflanzen: der Beinwell

Der Beinwell (Syphytum officinale) ist eine Pflanze, die bis zu 100 Zentimeter hoch wird, mit großen, spitz zulaufenden Blättern. Fasst man die Blätter an, spürt man viele raue Borsten - ein klares Merkmal aller Pflanzen, die zur Familie der Raublattgewächse gehören.

Beinwell fördert die Wund- und Knochenheilung

Beinwell fördert die Wund- und Knochenheilung

Der Beinwell wächst fast in ganz Europa und ist meist an feuchten Standorten anzutreffen. In der Blütezeit von Mai bis August erkennt man in seinen Blattachseln kleine rosa oder weiße, glockenförmige Blüten.

Unseren Landwirten dürfte eine enge Verwandte des Beinwells als Futterpflanze bekannt sein: der Comfrey (Symphytum x uplandicum). Diese Pflanze ist eine Kreuzung zwischen dem Echten Beinwell und einer anderen Beinwellart (Symphytum asperum), die aber kaum zu medizinischen Zwecken genutzt wird.

Wirkung: Wund- und Knochenheilung

Der Hauptwirkstoff des Beinwells ist das Allantoin. Der Stoff ist nur selten in Pflanzen anzutreffen, im Beinwell aber zu einem hohen Prozentsatz zu finden. Allantoin fördert die Zellneubildung und damit die Regeneration von Gewebe und entzündeter Schleim- und Knochenhaut, besonders das Zusammenwachsen von Knochen. Auch Schwellungen gehen zurück und Schmerzen werden gelindert.

Aus diesen Gründen ist der Beinwell gerade in der Sportmedizin sehr beliebt. Bei schlecht heilenden, unblutigen Verletzungen wie Verstauchungen, Verrenkungen, Zerrungen, Prellungen, Quetschungen, Schwellungen und Blutergüssen. Aber auch bei Sehnenscheiden- und Schleimbeutelentzündungen, Nagelbettentzündungen, Furunkeln und schwer zu behandelnden Beingeschwüren haben sich Anwendungen mit Beinwell bewährt.

Ernte und Zubereitung

Der höchste Wirkstoffgehalt ist in der Wurzel zu finden. Der kräftige Wurzelstock ist außen schwarz und innen weiß und schleimig. Am besten wird die frische Wurzel in den Monaten Januar bis März oder erst wieder im Oktober gesammelt.

Zu diesem Zeitpunkt kann die Wurzel auf einer Reibe (wie eine Möhre) geraspelt werden und als Breiumschlag auf die betroffene Stelle aufgelegt werden. Die Wurzel kann auch in Scheiben geschnitten und bei max. 40°C im Backofen getrocknet werden, später in einer alten Kaffeemühle zu Pulver vermahlen werden, aus dem man dann ganzjährig einen Brei anrühren kann. Eine weitere Möglichkeit wäre die Wurzel auf Alkohol (mind. 50%) als Tinktur anzusetzen, mit der man später Umschläge macht.

Die Blätter haben einen geringeren, aber dennoch einen ansehnlichen Allantoin-Gehalt. In der Blütezeit der Pflanze (von Mai bis August), wenn die ganze Kraft in den oberirdischen Teilen steckt und weniger in der Wurzel, können auch die Blätter frisch verwendet werden. Dazu werden die rauen Blätter mit einer Flasche so lange gewalzt bis der Saft austritt. Dann wird der Brei auf die betroffene Stelle aufgelegt.

In Apotheken erhält man ebenfalls Salben mit Beinwellauszügen.

Beinwell in der Homöopathie

Zubereitungen aus der Beinwellpflanze sollten nicht innerlich eingenommen werden, da die darin enthaltenen Pyrrolizidinalkaloide langfristig leberschädigend wirken. Die homöopathische Zubereitung von Beinwell (Symphytum) hingegen kann auch innerlich eingenommen werden. Das ist besonders bei Knochenbrüchen empfehlenswert, wenn ein Gipsverband die äußerliche Anwendung von Breiumschlägen oder Salbenauflagen verhindert.

Im Gegensatz zur Phytotherapie (Heilpflanzenkunde), in der die Wirkstoffe einer Pflanze wissenschaftlich nachweisbar sind, werden in der Homöopathie die Ausgangsstoffe so stark verdünnt und potenziert, dass der eigentliche Wirkstoff im Labor nicht mehr nachzuweisen ist. Die Wirkung eines homöopathischen Mittels ist durch die dennoch enthaltene „Pflanzeninformation“ oder „Schwingung“ zu erklären.

Mythologie: die Geschichte des Beinwells

„Bein“ (Althochdeutsch: Gebein bzw. Knochen) und „well“ (Althochdeutsch: wallen, was so viel wie „zusammenwachsen“ bedeutet) – die Menschen haben also schon früher ganz klar die Heilwirkung dieser Pflanze in den Vordergrund gestellt. Auch der lateinische Name „Symphytum“ kommt von „symphein“, was ebenfalls „zusammenwachsen“, „vereinigen“ oder „verbinden“ bedeutet.

Tatsächlich kennen wir schon Aufzeichnungen des griechischen Arztes Dioskurides (1. Jhdt), bzw. der Hildegard von Bingen oder in mittelalterlichen Kräuterbüchern, in denen die wundheilende, vor allem aber die gute Wirkung auf Knochenbrüche gepriesen wird.

Das kleine 1×1 der Heilkräuter – in Zusammenarbeit mit der Heilpflanzenakademie APC in Elsenborn. Jeden zweiten und vierten Freitag im Monat um 11:15 Uhr in ‘Gut aufgelegt’ auf BRF1 und hier im Netz.
Kontakt: 0474/55.08.38 (Michaela Schumacher-Fank)

Hinweis: Bei ernsthaften Beschwerden ziehen Sie bitte Ihren Arzt zu Rate.

Michaela Schumacher-Fank, Heilpflanzenakademie APC - Bild: istockphoto

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2 Kommentare
  1. Elsbeth Roth

    Herzlichen Dank für die interessante,umfassende Beschreibung dieser Pflanze! Kann man das 1×1 der Heilpflanzen als Buch kaufen? Wnn ja,bitte ich,es mir zu zuschicken: Elsbeth Roth, Weiherweg 86, 4054 Basel. Freundliche Grüsse!

  2. Renate Ducomble

    Sehr geehrte Frau Roth, das kleine 1×1 der Heilkräuter ist nur als Sendereihe ausgestrahlt worden. Sie finden aber interessante Tipps über Heilpflanzen auf der Internetseite unserer Expertin Michaela Schumacher: http://viriditas-heilpflanzenwissen.com/

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